CEPHALGIE
kombinierte Cephalgie
Der Begriff Cephalgie besteht aus den Wortteilen Cephalus (= Kop f) und Algie (= Schmerzhaftigkeit). Abgekürzt entstand daraus die Krankheitsbezeichnung Cephalgie.
Cephalgie ist ein Oberbegriff für alle im Kop
fbereich vorkommenden SchmerzformenSystematik
(= Einteilung) der Cephalgie n:|
1. Primäre Cephalgie |
|
1.1 Migräne |
|
- ohne Aura |
|
- mit Aura |
|
- andere Cephalgie -Formen |
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1.2
Spannungskopfschmerz |
|
1.4
Primäre
Cephalgie,
die weder den
Migräne
- noch dem |
|
- zervikogener Ko pfschmerz |
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- Hemicrania continua (anhaltender Halbseitenkopfschmerz) |
|
-
Neck-tongue-Syndrom |
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2. Sekundäre Cephalgie (symptomatischer Ko pfschmerz) |
|
- Ko pfschmerzen als (zunächst) einziges Symptom |
|
- Ko pfschmerzen als Begleitsymptom |
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- Migräne und Spannungskopfschmerz |
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- Migräne und Schmerzmittelkopfschmerzen / Ergotaminkopfschmerz |
|
- andere Kombinationskopfschmerz en |
Die internationale Kopfschmerzgesellschaft definiert 176 verschiedene Cephalgie -Formen, jedoch können 90% aller Kop fschmerzen zwei Formen zugeordnet werden, der Migräne und dem Spannungskopfschmerz.
Die einzelnen Cephalgie - Bilder
Dieser Begriff bezeichnet Kop fschmerzen, die nicht als Krankheitszeichen auf eine faßbare organische oder psychische Grundkrankheit zurückzuführen sind. Sie gelten als eigenständige Schmerzkrankheiten, die im Gegensatz zum symptomatischen (= als Folge einer bekannten Krankheit auftretender) Kop fschmerz nicht kausal (= ursächlich, gegen die Grundkrankheit gerichtet) behandelt werden können (Soyka 1989).
1.1
Migräne:
Bei dieser
Zephalg
ie
treten in typischer Weise
anfallsartige, bevorzugt halbseitige Kop
fschmerzen (Hemikranie)
auf, begleitet von Übelkeit bis hin zu Erbrechen, Lärm- und
Lichtempfindlichkeit. Darüber hinaus kann es zu Seh- und
Nervenstörungen
kommen. Fast regelmäßig wird die Schmerzqualität als pulsierend, pochend und
hämmernd angegeben. Ätiologie
(= Krankheitsursache)
und Pathogenese (=
Krankheitsentwicklung) sind letztlich
noch nicht sicher geklärt.
Nach der IHS-Klassifikation von 1988 gibt es hauptsächlich zwei Gruppen:
Migräne mit und
ohne Aura. Die frühere Einteilung in einfache, klassische und
komplizierte M
igräne wurde aufgegeben.
Die einzelnen M igränetypen (IHS-codierte Klassifikation )(Göbel 1994) sind:
|
- Migräne ohne Aura |
|
- Mig räne mit Aura |
|
- Mig räne mit typischer Aura |
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- Mig räne mit prolongierter Aura |
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- Familiäre hemiplegische Aura |
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- Mig räneaura ohne Kop fschmerz |
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- Mig räne mit akutem Aurabeginn |
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- Ophthalmoplegische Mig räne |
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- Retinale Mig räne |
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- Periodische Syndrome in der Kindheit als möglicher |
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Vorläufer oder Begleiterscheinungen einer Mig räne |
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- Gutartiger paroxysmaler Schwindel in der Kindheit |
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- Alternierende Hemiplegie in der Kindheit |
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- Mig räne -Komplikationen: |
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Status mig raenosus |
|
Mig ränöser Infar kt |
|
- Migräneartige Störungen, die die genannten Kriterien nicht erfüllen |
Die genaue Klassifikation der Migränekop fschmerzarten ist manchmal nicht ganz einfach, weshalb nachstehend einige Erläuterungen folgen:
Als typische Anfangssymptome einer
M
igräne (Aura) gelten Sehstörungen,
(halbseitige) sensible und motorische
(= Bewegungs-) Störungen sowie
Dysphasie (=
Sprachausdrucksstörungen). Die
Krankheitszeichen entwickeln sich i.d.R. über einen Zeitraum von fünf bis 30
Minuten und klingen innerhalb einer Stunde wieder völlig ab.
Eine M
igräne mit prolongierter
(= verlängerter)
Aura liegt dann vor, wenn zumindest
ein typisches Symptom länger als 60 Minuten und weniger als eine Woche anhält.
Bei der familiären hemiplegischen
(= mit einer Halbsei
tenlähmung einhergehenden)
M
igräne
besteht bei mindestens einem Verwandten (1. Grad) das gleiche Krankheitszeichen.
Bei der
Basilarismigräne
geht die Zephalg
ie
mit Krankheitszeichen des Gehirns einher (z.B. Schwerhörigkeit, Doppelsehen,
sensible oder motorische Störungen, Schwindel).
Nach Göbel (1994) ist es umstritten, ob die Kop
fschmerzen bei der ophthalmoplegische
M
igräne
(Schmerzattacken,
die mit einer Lähmung der Augenmuskeln einhergehen) überhaupt der
M
igräne zugeordnet werden können.
Gleiches gilt für die periodischen Syndrome in der Kindheit
(anfallsartiger Schwindel und abwechselnde
Halbseitenlähmung,
in Verbindung mit Störungen der Hautempfindlichkeit oder Beweglichkeit sowie
vegetativen Krankheitszeichen, möglicherweise sind diese Erscheinungen
epileptiformer (=
fallsuchtartiger) Natur).
Bei der "kindlichen
M
igräne"
können auch
Bauchschmerzen mit Übelkeit bis hin zu Erbrechen auftreten, gelegentlich
auch ein Temperaturanstieg, ohne daß eine
Zephalg
ie
vorliegt.
Bei der retinalen
M
igräne
ist die Zephalg
ie
von einem einseitigen
Gesichtsfeldausfall oder gar Erblindung begleitet, was bis zu einer Stunde
anhalten kann.
Als
M
igränekomplikation
ist der Status mig
raenosus
zu nennen, gekennzeichnet durch eine Dauer der Kop
fschmerzen von mehr als 72 Stunden Dauer,
trotz Behandlung. Eine weitere Komplikation ist der mig
ränöse Infa
rkt.
Dieser liegt vor, wenn ein ischäm
ischer (=
durch Blutmangel bedingter)
Hirninfarkt
nachweisbar ist, oder die Aurasymptomatik
(= anfängliche Krankheitszeichen einer Mi
gräne)
nicht innerhalb von 7 Tagen völlig abklingt.
Therapie der Migränekop fschmerzen: Zunächst muß der Patient eingehend über die M igräne -Erkrankung aufgeklärt und über die Behandlungsmöglichkeiten informiert werden. Auf anamnestisch (= aus der Vorgeschichte) eruierte auslösende Faktoren (z.B. Schokolade, Käse, Rotwein) sollte besonders eingegangen werden. Hinweise auf eine vernünftige Lebensweise sind hilfreich, so z.B. regelmäßige Ruhezeiten, maßvolle körperliche Aktivitäten, möglichst Verzicht auf Alkohol und Nikotin und Vermeidung von Streßsituationen.
Therapie des akuten Migräneanfalls:
Ganz wichtig ist der Hinweis, daß
Analgetika (=
Schmerzmittel)
möglichst frühzeitig einzunehmen sind, d.h., der Patient darf nicht abwarten,
bis das Vollbild des Migränekop
fschmerzes eingetreten ist, sondern die
Medikamenteneinnahme soll schon bei den ersten Anzeichen erfolgen. Als Mittel
der ersten Wahl gilt noch immer die Einnahme von Acetylsalicylsäure
(ASS)(z.B. Aspirinâ
) 1-1,5 g. Bei ungenügender Wirkung von ASS empfiehlt sich ein Versuch mit
Paracetamol (z.B. ben-u-ronâ
), 1-1,5 g (in Form von Tbl., Saft oder Zäpfchen).
Nichtsteroidale Antirheumatika (z.B. Naproxen, Diclofenac, Ibuprofen) sind gegen
M
igräne
ebenso wirksam wie ASS bei vergleichbarer
oder geringerer Nebenwirkungsrate. Besonders magenschonend sind die sog. COX-2
Inhibitoren, z.B. Parecoxib (Dynastat®) oder Etoricoxib (Arcoxia®),
allerdings scheint diese Stoffgruppe mit einem Herz-/Kreislauf-Risiko verbunden
zu sein, zumindest bei längerer Therapiedauer. Es bleibt abzuwarten, ob
Parecoxib und Etoricoxib nicht auch noch vom Markt genommen werden, wie schon
andere Mittel dieser Stoffgruppe zuvor.
Bewährt hat sich bei stärkeren Migränekop
fschmerzen auch die Kombination von 1g ASS mit 1g Paracetamol. Auch ein
Therapieversuch mit Metamizol (z.B. Novalginâ
) ist manchmal lohnend.
Ein potentes Therapeutikum bei
Migränekopfschmerzen
ist der Serotoninagonist
(= Mittel, das dem Gewebshormon Serotonin entgegenwirkt)
Sumatriptan (Imigran®). Initiale Dosierung : 100mg zum Einnehmen oder 6mg
unter die Haut gespitzt. Bei Wiederauftreten von Kop
fschmerzen maximal zwei Verabreichungen
in 24 Std. Häufiger wurde über ernstzunehmende Nebenwirkungen berichtet, auch in
den Medien. Bei Beachtung der Anwendungsbeschränkungen kann das Verhältnis von
Wirksamkeit und Verträglichkeit jedoch als günstig angesehen werden (Tfelt-Hansen
1993). Wegen des relativ hohen Preises dürfte Sumatriptan (gilt auch für andere
Triptane) allerdings erst dann zum Einsatz kommen, wenn andere
Migränemittel nicht
den gewünschten Erfolg bringen. Zwischenzeitlich gibt es weitere Triptane, z.T.
auch als (Nase
n-) Spray zum schnelleren Wirkungseintritt: Zolmitriptan (AscoTop 2,5®,)
Naratriptan (Naramig®, als Formigran® rezeptfrei),
Rizatriptan (Maxalt®), Almotriptan (Almogran®), Frovatriptan (Allegro®)
und Eletriptan (Relpax®). Zur Behandlung der hemiplegischen,
ophthalmoplegischen oder
Basilaris-Migräne
sind Triptane allerdings nicht geeignet.
Ergotaminpräparate sind klassische Pharmaka zur Kupierung eines
Migräneanfall
s, wegen der möglichen Nebenwirkungen jedoch nicht ganz
unproblematisch. Die Gefahr einer Gewöhnung und Auslösung eines zusätzlichen
Dauerkopfschmerz
es steigt mit zunehmender Einnahmehäufigkeit. Aus diesem Grunde sollten
pro Woche nicht mehr als 6mg Ergotamintartrat und pro Migräneattac
ke nicht mehr als 4mg eingenommen werden
(Göbel, Ensink et. Soyka 1994).
Grundsätzlich gilt auch hier, daß beim
Migränekopfschmerz
die Verwendung von Mischpräparaten (z.B. Ergotamintartrat mit Koffein oder
Prophyphenazon, Codein, Paracetamol usw.) strikt vermieden werden soll. Auf
dieser Therapiestufe kann auch Dihydroergotamin (Hydergin®) i.m.
(= in den Mus
kel)
oder ganz langsam i.v.
(= in eine Blutader)
versucht werden (1-1,5mg).
Besonders bei ausgeprägten vegetativen Migränebegleiterscheinungen hat sich die
zusätzliche Gabe von 1-2 mg Flunitrazepam (Rohypnol®)
(= ein Schlafmittel) sehr bewährt,
auch unter dem Aspekt, Schmerzmittel einzusparen, zumal die Patienten in dieser
Situation ohnehin das Bedürfnis haben, sich hinzulegen.
Werden die Migränekop
fschmerzen von Nausea
(= Übelkeit, Brechreiz)
und Erbrechen begleitet (evtl. auch schon vor dem erwarteten Auftreten dieser
Symptome), ist die Verabreichung von Metoclopramid (Paspertin®) sehr
wirksam, zum Einnehmen oder als Zäpfchen bis zu 20mg, i.m. oder i.v. 10mg.
Metoclopramid sollte nicht an Kinder unter 10 Jahren verabreicht werden. Es ist
vorteilhaft, diese Substanz vor einem
Analgetikum
(= Schmerzmittel)
einzunehmen, weil Metoclopramid die Darmtätigkeit steigert und somit die
Resorption (= Aufnahme im Dar
m) weiterer verabreichter Substanzen fördert. Alternativ kann auch der
Dopamin-Antagonist Domperidon (Motilium®) verwendet werden, Tabletten oder
Tropfen bis zu 30mg.
Unter stationären Bedingungen, denkbar auch in einem separaten Raum innerhalb
einer Praxis, hat sich bei
M
igräne die Verabreichung einer Infusion
(500ml Kochsalzlösung) mit 1g ASS (Aspisol®) kombiniert mit 10mg Metoclopramid
(z.B. Paspertin®) und 1-2mg Flunitrazepam (z.B. Rohypnol®) sehr bewährt, bei
heftigen Schmerzen zusätzlich 50-100mg Tramadol (z.B. Tramal®).
Die
therapeutische Lokalanästhesie
(= Behandlung mit einem
örtlichen
Betäubungsmittel) ist im bereits
voll entwickelten akuten Migräneanfall wenig hilfreich. Allerdings kann bei
frühzeitiger Durchführung die Symptomatik in vielen Fällen abgeschwächt werden,
so daß oftmals Analgetika
(= Schmerzmittel)
gar nicht oder in weit geringerer Dosierung als sonst üblich eingenommen werden
müssen.
Wir blockieren vorzugsweise mit Bupivacain 0,5% die Ner
ven supraorbitales
(=
Ner
ven
an der Augenbraue) (je ca. 0,5ml),
occipitales major (=
Ner
ven
am Hinterkop
f) (je ca. 1ml) und minor (je ca. 0,5-1 ml) und infiltrieren die
Schläfenregion beiderseits (je ca. 1-2ml). Obwohl die Migränekop
fschmerzen meist nur einseitig
auftreten, hat es sich bewährt, diese Behandlung nicht nur auf die aktuell
betroffene Kopfhälfte zu beschränken.
Wenn heftige
M
igräne -An
fälle gehäuft (mehrmals pro Woche)
auftreten, sind im Rahmen einer stationären Behandlung schmerzseitige
Blockaden (=
Betäubungen) des
Ganglion stellatum
(= eine vegetative Schaltstelle im seitlichen Halsbereich)
in engmaschiger Abfolge sehr hilfreich.
Artet die Zephalg
ie
in einen Status mig
raenosus (= länger als 72h anhaltender Migränean
fall) aus, so ist dies eine Indikation
(= Anzeige) zur
stationären Aufnahme.
Bewährt hat sich die mehrmalige (2-3x in 24 Std.) Verabreichung von 1-2mg
Flunitrazepam (z.B. Rohypnol®), initial zusammen mit 40mg Prothipendyl (z.B.
Dominal forte®), sowie eine Tropfinfusion mit 100 mg Tramadol, 1g Aspisol® und
10-20mg Metoclopramid. Bei anhaltendem Erbrechen sollte mit der Gabe von
Dehydrobenzperidol (z.B. 2,5 mg i.m.) nicht gezögert werden.
Allgemeinmaßnahmen im Migränean
fall bestehen in Reizabschirmung (ruhiges und verdunkeltes Zimmer).
Migräneprophylaxe
(= vorbeugende Behandlung):
Nicht immer sind die Patienten
bereit, auch im schmerzfreien Intervall konsequent Medikamente einzunehmen, so
daß oftmals eine ausführliche Aufklärung erforderlich ist. Eine
Migränevorbeugung
sollte nur dann erfolgen, wenn die
Migräneattacken
mindestens zwei mal pro Monat auftreten. Nach Göbel und Soyka
(1994) ist die Indikation auch gegeben, wenn im bisherigen Verlauf mindestens
zweimal ein Status mig
raenosus, eine prolongierte
(= verlängerte)
Aura oder einmalig ein mig
ränöser Infa
rkt
(= Gewebszerstörung in bestimmten Hirnbereichen infolge von
Sauerstoffmangel) aufgetreten sind.
Als Mittel der ersten Wahl gelten Beta-Rezeptorenblocker
(= eigentlich Blutdruckmittel, die aber auch gegen Mi
gräne wirken).
Allerdings haben nicht alle Substanzen aus dieser Gruppe eine vorbeugende
Wirkung auf die
Migräne. Relativ
sicher wirken Propanolol und Metoprolol (Diener 1989); beide Substanzen
werden langsam einschleichend dosiert. Die tägliche Höchstdosierung für
Metoprolol (z.B. Beloc®) beträgt 200mg, für Propanolol (z.B. Dociton®) 240mg.
Bei Ausbildung nicht tolerierbarer orthostatischer
(= den Kreislauf betreffende)
Störungen oder einer Bradykardie
(= zu langsamer Puls)
muß die Behandlung abgebrochen werden (ausschleichend). In der Einschleichphase
müssen daher regelmäßige Puls- und Blutdruckkontrollen durchgeführt werden. Die
Wirkungsweise der Beta-Blocker in Bezug auf den Migränekop
fschmerz ist noch nicht sicher bekannt.
Diese Vorbeugung ist allerdings nicht für die
Basilarismigräne
geeignet.
Zur Intervalltherapie des Migränekopfschmerzes eignen sich auch
Kalzium-Antagonisten
(= ein Mittel das der Wirkung
von Kalzium entgegenwirkt). Flunarizin (Sibelium®) sollte aufgrund einer Bewertung durch das
Bundesgesundheitsamt nur bei Patienten eingesetzt werden, die unter häufigen und
schweren Mig
räneanfällen leiden und bei denen eine
Behandlung mit Beta-Blockern kontraindiziert
(= gegenangezeigt)
ist bzw. keine ausreichende Wirkung gezeigt hat. Nach einer Studie hat sich
Cyclandelat (Natil®) zur Prop
hylaxe nicht bewährt.
Eine weitere Prophylaxemöglichkeit (3. Wahl) des Migränekop
fschmerzes besteht in der Verabreichung
von Serotonin-Antagonisten
(= Mittel, die dem Gewebshormon
Serotonin entgegenwirken).
Pizotifen (Sandomigran®) hat einen hemmenden
Effekt auf die Serotonin-Freisetzung im Anfangsstadium der
M
igräne. Lisurid (Cuvalit®), ein Ergotamin
-Derivat, ist ein Serotonin -Partialantagonist. Die Tagesdosis beträgt 0,075 mg.
Im Gegensatz zu anderen Autoren (Soyka 1989) wird diese Substanz bei uns
kaum verwendet, da bisherige Therapieversuche nicht überzeugt haben.
Zur Prop
hylaxe der
Zephalg
ie
bei der sog. menstruellen
(= regelbedingten)
M
igräne
soll Sulpirid (Dogmatil®) hilfreich sein (Thoden 1986). Göbel und
Soyka (1994) empfehlen eine "Kurzzeitprophylaxe" mit 250-500 mg Naproxen,
vier Tage vor der erwarteten Regel bis drei Tage danach.
Das Derivat der Lysergsäure, Dihydroergotamin (Hydergin®) ist zur Vor
beugung des Migränekop
fschmerzes umstritten. So wird es z.B. in
anglo-amerikanischen Ländern dafür nicht verwendet.
Zur
Migräneprophylaxe
(=
Migränevorbeugung)
soll auch das Antiepileptikum
(= Mittel gegen die
Fallsucht)
Gabapentin (z.B. Neurontin®) eingesetzt werden können. Zur
vorbeugenden
Migränebehandlung
ist in Deutschland auch das Antiepileptikum
(= eigentlich
ein Mittel gegen die Fallsucht)
Topiramat
(Topamax®) zugelassen. Dieses Medikament sollte aber nur bei Erwachsenen
angewendet werden und nur dann, wenn eine Therapie mit Betablockern nicht
indiziert
(= angezeigt)
ist, zuvor nicht erfolgreich war oder nicht vertragen wurde.
Nach einem Bericht in der Welt (19.4.04) soll zur Vorbeugung der
Migräne mit Aura
auch die regelmäßige Zufuhr von Folsäure geeignet sein.
Wenn die An
fälle gehäuft (z.B. mehrmals pro Woche)
auftreten und andere vorbeugende Medikamente (z.B. Beta-Blocker) nicht greifen,
ist nach unserer Erfahrung bei dieser
Zephalg
ie
auch die therapeutische
Lokalanästhesie
(= Behandlung mit
einem örtlichen
Betäubungsmittel)
lohnend, besonders wenn sie über 2-3 Wochen unter stationären Bedingungen 2x
täglich konsequent durchgeführt wird (Leser et Hefermann,
Schmerzkl
inik Bad Mergen
theim 1990). Dabei betäuben wir,
wie zur Akutbehandlung schon beschrieben, die das Kranium
(= den knöchernen Schädel)
versorgenden
Nerven
an ihren Austrittspunkten. Ergänzt wird die Behandlung durch tiefe Infiltration
der oft verspannten, an die
Halswirbelsäule
angrenzenden
Muskulatur.
Die Wirkungsweise dieser Therapie ist beim
Migränekopfschmerz
nicht geklärt, vermutlich kommt es zu einer tiefgreifenden neurovegetativen
Umstimmung.
Diese Wirkungsvorstellung ähnelt sehr dem neuraltherapeutischen Konzept,
allerdings mit dem Unterschied, daß statt
Procain das lang wirkende örtliche Betäubungsmittel
Bupivacain verwendet wird.
Ergänzende Methoden zur
Migränetherapie:
Meist werden die folgenden Methoden
ergänzend eingesetzt, d.h. als Monotherapie
(= alleinige Behandlung)
ist die Wirkung in der
Migränebehandlung
in der Regel nicht ausreichend.
Eine der klassischen Indikationen für die
Akupunktur
(Schmerzakupunktur)
ist eine Cephalgie. Zur Behandlung des Migränekopfschmerzes dominieren
Nadelpunkte auf dem Gallenblasen-Meridian, so z.B. die Punkte 3, 17, 40 und 43,
zusätzlich das Lenkergefäß 25 in der Mitte der Nasenwurzel (Kossmann et
al. 1986). Es sei darauf hingewiesen, daß auch für die Behandlung der
M
igräne mit Akupunktur (noch) keine
wissenschaftlich exakten Ergebnisnachweise vorliegen.
Die transkutane Nervenstimulation mittels Niederfrequenzgenerator über
Klebeelektroden (TENS) kann beim Migränekop
fschmerz, wenn sie bei den ersten Anzeichen einer Attac
ke durchgeführt wird, durchaus eine
Linderung der Beschwerden herbeiführen, manchmal sogar den Ausbruch einer Attac
ke verhindern.
Bei vielen M
igränpatienten fällt auf, daß auch im
schmerzfreien Intervall die an die Halswir
belsäule angrenzende Mus
kulatur, teilweise auch die
Schulter muskulatur
verspannt ist. In diesen Fällen hat sich die Verordnung von physikalischen
Therapiemaßnahmen (z.B. Fango, Kältebehandlung) und Krankengymnastik als
ergänzende Behandlung bewährt. Manchmal kann auch durch eine manuelle
Lymphdrainage im Kop
f-/Halsbereich eine deutliche Linderung
der
Migränekopfschmerzen
erzielt werden.
Zu erwähnen wäre bei
M
igräne auch die Hydrotherapie in
Form von Wechselbädern der
Extremitäten
(=
Arme,
Beine)
und/ oder Kneippschen Güssen. Wahrscheinlich beruht der oft zu beobachtende
positive Effekt auf einer neurovegetativen Umstimmung im Sinne eines
ganzheitlichen Behandlungsansatzes.
Bewährt hat sich bei
M
igräne
auch
Biofeedback (=
Registrierung und Rückmeldung bioelektrischer Signale).
Auch
psychologischen Interventionen können Migränekop
fschmerzen lindern: hauptsächlich Entspannungstechniken,
Streß - und
Schmerzbewältigungstraining.
1.2
Spannungskopfschmerzen
(oft auch als Kop
fschmerzen bzw. Cephalgie vom
Span
nungstyp
bezeichnet):
Dieser Schmerz kann in zwei
übergeordneten Formen auftreten:
Der
Spannungskopfschmerz
von allen genannten Begriffen am wenigsten klar definiert. Der Begriff wird
deshalb oftmals als Verlegenheitsdiagnose verwendet.
Die Symptomatologie
(= die verschiedenen Krankheitszeichen) wird in der Literatur nicht einheitlich angegeben. Nach Meyer
(1989) ist die Lokalisation der Kop fschmerzen wechselnd,
oft fronto/okzipital
(= im Stir n/Hinterhaupt-Bereich auftretend), Soyka (1989) dagegen
gibt als Schwerpunkt die
Nac
ken- und
Hinterkopfregion an. Meist wird der Schmerzcharakter mit dumpf,
bohrend und spannend bezeichnet. In der Regel liegen die Beschwerden beiderseits
vor. Nach unseren Erfahrungen geben die betroffenen Patienten häufig an, die Kop
fschmerzen steigen von der Hinterkopfregion auf und breiten sich dann
diffus bis zu beiden Augenhöhlen aus.
In der Regel beginnen Kop
fschmerzen vom
Spannungstyp schleichend morgens und steigert sich dann im Verlauf des
Tages, meist den ganzen Tag anhaltend. Teilweise werden aber auch im
Tagesverlauf unterschiedlich lange anfallsartige Schmerzverstärkungen angegeben,
manchmal mit (milden) vegetativen Symptomen (z.B. Übelkeit) einhergehend, so daß
auch das Vorliegen von
Migränekopfschmerzen
in Frage kommt.
Bei der Untersuchung ist die Hinterkopfregion beiderseits oft druckschmerzhaft.
Teilweise ist die Kalotte
(= der knöcherne Schädel)
klopfschmerzhaft. Sehr häufig finden sich im Halswirbelsäulenbereich
Muskelverspannungen, diese können auch bis zur Schultermuskulatur reichen.
Fast alle Patienten mit
Spannungskopfschmerzen
geben an, daß Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit nachgelassen hätten.
Eine Unterteilung in "episodische
(= von Zeit zu Zeit auftretende)
Spannungskopfschmerz
en" und "chronische Cephalgie vom Spannungs
typ" erscheint nicht sinnvoll, weil damit lediglich Verlaufsvarianten
beschrieben werden, die sich selbst bei gleichen Patienten häufig abwechseln
können.
Eine Verspannung der perikranialen (= den Schädel umgebenden)
Mus kulatur, wie es dieser
Kopfschmerzbegriff vermuten läßt, ist nicht zwingend. Psychische Überlagerung,
vor allem in Form von depressiver Verstimmung und/oder psychovegetativer
Labilität ist häufig. In der Regel dominiert die pflichtbewußte und
leistungsorientierte Persönlichkeit.
Zur Differentialdiagnose von Kop
fschmerzen (=
zum Herausfinden um welche Kopfschmerzform es sich handelt)
eignen sich
Nervenblockaden
(= Nervenbetäubungen). Während einer
regelrechten Blockade der Ner
ven supraorbitales, occipitales majores und minores sowie
auriculotemporales (infiltrativ im
Schläfe
nbereich) bleiben i.d.R. Kop fschmerzen vom
Spannun
gstyp weg, nicht aber
vasomotorische
(= von Blutgefäßen ausgehende)
oder
posttraumatische
Kop
fschmerzen
(= nach
Verletzungen auftretende Kop
fschmerzen),
sofern diese auf meningeale
(= hirnhautbedingte) Störungen
zurückzuführen sind.
1.3 Trigeminoautonome Ko pfschmerzen
Paroxysmale Hemikranie
(CPH):
Diese Erkrankung wurde
erstmals 1974 beschrieben. Charakteristische Merkmale sind streng einseitig
auftretende
Kopfschmerzanfälle
hauptsächlich im orbitalen
(= die Augenhöhle betreffend),
supraorbitalen (= die
Sti
rn betreffend)
und/oder temporalen
(= die Schlä
fe betreffend)
Bereich und einer Dauer von 2 bis 45 Minuten. Die
Schmerzanfälle
treten mindestens 5 mal pro Tag auf. Als Mittel der Wahl gilt auch hier
Indometacin (z.B. Indometacin-Ratio®), alternativ soll das
Piroxicamderivat Beta-Cyclodextrin hilfreich sein.
Clusterkopfschmerz:
Synonyme (=
weitere Bezeichnungen) für diese
eigenständige, von der
M
igräne und der
Trigeminus-Neuralgie abzugrenzende
Zephalg
ie
sind:
Erythroprosopalgie,
Bi
ng-Hor ton-Kop
fschmerz,
ziliare Neuralgie
und N. pe
trosus-
Neuralg
ie.
Die Krankheitsursache ist unbekannt.
Hauptsymptom (=
vorherrschendes Krankheitszeichen)
beim Cluster-Kop
fschmerz ist der streng einseitig, in aller Regel periorbital
(= um das Auge herum)
oder frontotemporal
(=
Stirn
-/
Schläfenbereich
betreffend) in Attac
ken und vorwiegend nachts auftretende
Schmerz von
unerträglicher Intensität und einer durchschnittlichen Dauer bis zu wenigen
Stunden. Überwiegend wird der
Schmerz
charakter mit bohrend oder brennend angegeben. Typischerweise, jedoch
nicht zwingend, kommt es zu Tränenfluß und Rötung des schmerzseitigen Auges,
evtl. begleitet von Engstellung der Pupille und Verengung der Lidspalte
(partielles Horner-Syndrom) sowie Nasenträufeln als Begleiterscheinungen.
Manchmal treten bei dieser
Zephalg
ie
auch Übelkeit und Brechreiz auf, was zu Verwechslungen mit der
M
igräne
führen kann.
Im Gegensatz zu M
igränepatienten sind Patienten mit
Clusterkopfschmerzen
eher unruhig und laufen während der
Clusterattacke
umher; ihr Ruhebedürfnis ist weniger ausgeprägt als bei Migränikern.
Der einschießende Schmerzcharakter und die extreme Schmerzintensität können zur
Verwechslung mit der
Trigeminusneuralgie
Anlaß geben. Schmerzauslösende Mechanismen können vorhanden sein, so z.B.
Flimmer- und Flackerlicht, Aufenthalt in großen Höhen, Histamin und
Nitroglyzerin, öfters aber auch Alkohol (Soyka 1989). Nitroglyzerin (in
Form von Nitratpflaster) verwenden wir deshalb regelmäßig als Provokationstest,
um die Stabilität eines Behandlungserfolges einschätzen zu können.
Therapie des Clusterkopfschmerzes:
Ein statistischer Erfolgsvergleich
unterschiedlicher Therapiemaßnahmen wird durch die Tatsache erschwert, daß der
Clusterschmerz
meist schubartig verläuft, d.h. monatelange, in Ausnahmefällen sogar jahrelange
schmerzfreie Intervalle kennzeichnen diese
Cephalgie
n.
Wie bei den anderen primären
(= nicht auf eine andere Krankheit zurückzuführende)
Kop
fschmerzen ist es auch beim Clusterkop
fschmerz oftmals erforderlich, die
verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten nacheinander auszutesten, um die optimale
herauszufinden.
Therapie der akuten
Clusterattacke:
Wegen der häufig kurzzeitigen Attac
kendauer kommen meist nur solche Methoden
zur Anwendung, die innerhalb weniger Minuten wirken können. Orale
(= Tabletten, Tropfen)
und rektale (= Zäpfchen)
Verabreichung von z.B.
Ergotamin ist daher nur bei längerer Anfallsdauer sinnvoll. Die Einatmung
von reinem Sauerstoff über Maske ist eine bewährte Methode zur Kupierung
des Anfalls. Die Verabreichung über eine Nasensonde ist meist nicht ausreichend.
Diese Methode hat den Vorteil, daß entsprechende Geräte zum häuslichen Gebrauch
auf Kosten der Krankenkassen verordnet werden können.
Im Gegensatz zur akuten
Migräneattacke
spricht der akute Clusterkop
fschmerz
in der Regel auf die therapeutische
Lokalanästhesie
(= Behandlung mit
einem örtlichen
Betäubungsmittel)
an. Bewährt hat sich die Betäubung der schmerzseitigen Ner
ven supraorbitalis (ca. 1 ml),
supratrochlearis (ca. 0,5ml), jeweils am zugehörigen Austrittspunkt, und die
großzügige flächenhafte Infiltration des dominanten Schmerzareals im St
irn- /Schläfenbereich. Bei
Schmerzausstrahlungen in den
Oberkiefer muß der
Infraorbitalis-Nerv ebenfalls blockiert werden (1-2ml). Das
Lokalanästhetikum
(=
örtliches Betäubungsmittel)
der ersten Wahl ist bei uns das lang wirkende Bupivacain 0,5% (z.B.
Carbostesin®). In hartnäckigen Fällen führen wir diese Behandlung mit gutem
Erfolg konsequent 2 bis 3 mal täglich durch, auch an Wochenenden, was jedoch nur
unter stationären Bedingungen durchführbar ist. Auch wiederholte
Stellatumblockade
n (= Blockade
einer vegetative Schaltstelle im seitlichen Halsbereich)
oder Blockaden des Ganglion cervicale superior
(= vegetative Schaltstelle im
Rachenbereich), auch des
Ganglion stellatum
(= vegetative
Schaltstelle im unteren Halsbereich),
mit einem lang wirkenden örtlichen Betäubungsmittel können beim Clusterkop
fschmerz sehr hilfreich sein.
Empfohlen wird bei dieser
Zephalg
ie
auch eine nasale Instillation
(= in die Nase eingebracht)
von 1 ml 4%iges Lidocain (Xylocain®)
(= ein mittellang wirkendes örtliches Betäubungsmittel)
bei 45 Grad rekliniertem und 30-40 Grad zur betroffenen Seite rotiertem Kop
f (Pfaffenrath 1988).
Wirksam ist beim Clusterkop
fschmerz
auch
Ergotamin. Nachteilig ist, daß sich bei häufigem Gebrauch ein Ergotaminkop
fschmerz ausbilden kann. Wegen des schnellen Wirkungseintrittes kann auch
Dihydroergotamin (Hydergin®) i.m. (i.v.) gegeben werden (1-2mg), evtl.
kombiniert mit 1g Metamizol (z.B. Novalgin®).
Das
Migränemittel
Sumatriptan (Imigran®) ((aber auch Zolmitriptan (AscoTop 2,5®,)
Naratriptan (Naramig®, als Formigran® rezeptfrei),
Rizatriptan (Maxalt®), Almotriptan (Almogran®), Frovatriptan (Allegro®)
und Eletriptan (Relpax®)), ist auch beim
Bing-Horton-Kopfschmerz
(chronischer und episodischer) sehr wirksam, insbesondere zur Beschleunigung der
Resorption (=
Aufnahme in den Organismus) unter die
Haut gespritzt (6 mg) (auch mit Autoinjektor vom Patienten selbst injizierbar)
oder auch als Nasenspray (z.B. Imigran®Nasal), ansonsten 100mg oral
(= durch den
Mund). Häufiger wurde über ernstzunehmende Nebenwirkungen berichtet, auch in
den Medien. Bei Beachtung der Anwendungsbeschränkungen kann das Verhältnis von
Wirksamkeit und Verträglichkeit jedoch als günstig angesehen werden (Tfelt-Hansen
1993).
Wegen des relativ hohen Preises dürfte Sumatriptan (und andere Triptane)
allerdings erst dann zum Einsatz kommen, wenn andere Maßnahmen nicht den
gewünschten Erfolg bringen.
Cluster-
Kopfschmerzprophylaxe
(= Vor
beugung):
Als Mittel der Wahl gilt der
Calcium-Antagonist Verapamil (z.B. Isoptin®). Dosierung: bis zu 3-4x 80
mg pro Tag, in der ersten Woche einschleichend. Der Wirkungsmechanismus von
Verapamil ist bei dieser
Zephalg
ie
unbekannt.
Neue Dosierung: In hartnäckigen Fällen wird Verapamil mit gutem Erfolg sehr
viel höher dosiert: bis 500 mg/Tag (und mehr), initial
(= zu Anfang)
unter ständiger Blutdruck- und Pulskontrolle.
Als Mittel der 2. Wahl kann Lithium empfohlen werden (z.B. Hypnorex®,
Quilonum®). Lithium soll bereits unterhalb des empfohlenen Serumspiegels beim
Clusterkop
fschmerz wirksam sein.
In hartnäckigen Fällen und unter strenger Abschätzung des therapeutischen
Risikos im Verhältnis zu einem möglichen Nutzen, kann eine Kortikoid-Behandlung
versucht werden, z.B. mit Prednisolon®. Empfohlene Dosierung: 1-4. Tag 80mg, 5-
8 Tag 70mg, dann jeweils nach 4 Tagen die Dosierung um weitere 10mg reduzieren.
Der Serotonin-Antagonist Methysergid (Deseril ret.®)
(= ein Mittel, das dem
Gewebshormon Serotonin entgegenwirkt)
kann auch zur Clusterkopfschmerzprophylaxe verwendet werden.
Teilweise wird empfohlen, zur Prop
hylaxe
regelmäßig täglich
Ergotamin zu verabreichen. Wegen der
Gewöhnungsgefahr und der hohen Wahrscheinlichkeit, damit den gefürchteten
Ergotaminkopfschmerz
zu induzieren, muß davor dringend gewarnt werden.
Zur Prop hylaxe des Clusterkopfschmerzes hat sich bei uns auch die wiederholte therapeutische Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel) wie bei der Akutbehandlung sehr bewährt. Manchmal werden auch in der schmerzseitigen Hinterkopfregion Schmerzen angegeben; in diesem Fall blockieren (= betäuben) wir dann auch die Ner ven occipitales major und minor. Optimal ist diese Behandlung unter stationären Bedingungen, weil dann diese Therapie konsequent 2x täglich, auch an Wochenenden, über einen Zeitraum von 2-3 Wochen durchgeführt werden kann. Unter dieser Behandlung fallen in der Regel die Schmerzattacken zunehmend milder aus, um im Idealfalle allmählich wegzubleiben.
Nichtmedikamentöse Maßnahmen:
Anders als z.B. bei der
M
igräne spielen beim Clusterkop
fschmerz
psychische Faktoren eine eher untergeordnete Rolle, so daß diesbezüglich nur
allgemeine Maßnahmen empfohlen werden können, so z.B. ein
Schmerzbewältigungstraining. Transkutane Nervenstimulationen mittels
Niederfrequenzgenerator über Klebeelektroden (TENS) haben nur selten
einen positiven Effekt.
Der Vollständigkeit halber muß hier noch das clusterähnliche Sunct-Syndrom aufgeführt werden. Dabei kommt es zu 15 bis 120 Sekunden lang anhaltenden, einseitigen Sch merzattacken um das Auge herum, begleitet von konjunktivaler Injektion (= Sichtbarwerden feiner Blutgefäße im Auge als Folge von Blutfülle), Lakrimation (= Tränenfluß) und Nasenträufeln. Zusätzlich besteht ein gleichseitiges Gesichtschwitzen, das aber meist nur gering ausgeprägt ist. Auch kann es zu einem Lidödem (= Schwellung des Augenlides infolge einer Flüssigkeitsansammlung) kommen.
1.4 Primäre Cephalgie, die weder dem M igräne- noch dem Clusterkop fschmerz zuzuordnen ist
Unter diesem Begriff fassen wir scheinbar
eigenständige Kop
fschmerzbilder wie ver tebragene oder
zervikogene Cephalgie
(= von der Halswir
belsäule ausgehende Kop
fschmerzen)
oder auch sog. neu aufgetretene Dauerkop
fschmerzen, Ans
trengungs-Kop fschmerzen,
Okzipitalisneuralgie
(=
Nervenschmerz im
Bereich des Hinterkopfes) oder
Hemicrania continua
(= anhaltender
Halbseitenkopfschmerz)
zusammen.
Allen Formen gemeinsam ist die sehr variablen Krankheitszeichen, so daß eine
eindeutige Diagnosezuordnung in vielen, wenn nicht in den meisten Fällen,
willkürlich ist. Oftmals ist nicht einmal eine sichere Abgrenzung gegen
Migräne - oder
vasomotorische Kop fschmerzen
(= von Blutgefäßen ausgehende Kop
fschmerzen)
möglich.
Zervikogene Kop
fschmerzen
(vertebragene Kop
fschmerzen):
Der Unterschied zu Kop
fschmerzen vom Spannun gstyp dürfte nur darin bestehen,
daß mit dem Begriff "ve rtebragen"
(= wirbelsäulenbedingt)
lediglich auf eine mögliche Ursache bzw. einen Zusammenhang hingewiesen wird.
Die
Schmerz
ausstrahlung verläuft vom
Nacken aufsteigend
zur
Stirn hin, nicht
selten tritt gleichzeitig ein
Nacken-Schulter-Arm-Syndrom
auf.
Okzipitalneuralgie:
Die primäre, idiopath
ische (= als
eigenständige Erkrankung auftretende)
Okzipitalisneuralgie
ist selten. Es treten einseitig einschießende Kop fschmerzen im
Versorgungsgebiet des N. occipitalis major auf (Hinterkopf
bis Scheitelhöhe).
Die Diagnose einer
Occipitalisneuralgie
wird durch eine probatorische
(= zur Klärung der Diagnose durchgeführte)
Nervenblockade mit
z.B. 1-3 ml Mepivacain (z.B.
Scandicain®1%)
(= mittellang wirkendes örtliches Betäubungsmittel)
gesichert. Wie bei der
Trigeminusneuralgie
liegt häufiger eine atypische Form vor, gekennzeichnet durch meist einseitig
auftretende Kop
fschmerzen und längerfristige Schmerzepisoden
bis hin zu
Dauerschmerzen.
Hemicrania continua
(anhaltende
Halbseitenkopfschmerzen):
Diese Cephalgie
-Art soll stets einseitig und seitenkonstant als
Dauerkopfschmerzen
auftreten. Differentialdiagnostisch
(= um herauszufinden um welche Kop fschmerzform es sich handelt)
zu verwerten ist, daß diese Beschwerden nur auf
Indometacin (z.B. Indomet ratiopharm®) ansprechen (Sjastaad 1984).
Vermutlich handelt es sich hierbei ebenfalls um Cephalgie vom Stannungstyp,
allerdings halbseitig auftretend.
Raeder-Syndrom:
Diese
Kop
f
schmerzen
sind im Versorgungsgebiet des Nervus ophthalmicus
(= oberer Gesichtsnerv)
lokalisiert. Die Symptomatik ist den
Clusterkopfschmerzen
ähnlich.
Neck-tongue-Syndrom (Nacken-Zungen-Syndrom):
Diese Kop
f
schmerzen
treten attackenartig einseitig hinterkopfbetont auf und sind von einer
unangenehmen
Hypästhesie (= herabgesetzte Empfindlichkeit) der gleichseitigen
Zunge
nhälfte begleitet.
Die Ursache ist nicht eindeutig geklärt, es wird eine Subluxation
(= unvollständige Ausrenkung)
des Atlanto-Axial-Gelenkes
(= das untere Kopfgelenk zwischen dem 1. u. dem 2. Halswirbel, ermöglicht
Dreh
bewegungen
des Kopfes) vermutet (Bogduk
1981). Zur
Schmerztherapie eignet sich eine engmaschige Blockadeserie des
Ganglion cervicale superius
(= eine
vegetative Schaltstelle, paarig im hinteren
Rachen
bereich).
Neu aufgetretene Dauerkopfschmerzen
(engl.: new daily persistent headache):
Unter dieser Cephalgieform leiden etwa 0,2 der Bevölkerung.
Die Abgrenzung vom (chronischen)
Spannungskopfschmerz
ist schwierig und auch nicht unumstritten. Auch bei dieser Cephalgie können
milde migräneartige Begleiterscheinungen auftreten, so. z. B. Photo- und
Phonophobie (= Licht-
und Geräuschempfindlichkeit) oder
auch Übelkeit, allerdings kein (regelmäßiges) Erbrechen. Neu aufgetretene Kop
fschmerzen weisen mindestens zwei der
folgenden Eigenschaften auf:
Ursächlich ist häufig eine vorausgegangene
Infektion (=
Eindringen von Mikroorganismen, z.B. Bakterien, Viren, Pilze, Parasiten in den
Mensch, wo sie haften bleiben und sich vermehren
-n. Roche-). Schon in den ersten Beschreibungen wurde auf einen Zusammenhang mit
Virusinfekten hingewiesen (Vanast et al. 1987).
Die Kopfschmerzbehandlung
erfolgt wie bei
Spannungskopfschmerzen.
Therapie der
Zephalg ien:
Die Schwierigkeit genereller Therapieempfehlungen liegt darin, daß eine
Zephalg
ie in allen möglichen Variationen auftritt,
sowohl hinsichtlich der Intensität als auch der Periodizität
(= zeitliches Auftreten).
Die Zephalg
ie charakteristika sind nicht nur
von Patient zu Patient verschieden, sondern können sich auch im Verlauf der
Erkrankung beim selben Patienten ändern, so daß dann jeweils die aktuelle
Therapie angepaßt werden muß. Hinzu kommt, daß die verschiedensten
Behandlungsmaßnahmen sehr unterschiedlich wirken können. Was bei einem Patienten
wirksam ist, muß dem anderen noch lange nicht helfen, auch wenn scheinbar
Diagnose und Symptomatik (= Krankheitszeichen) übereinstimmen. Letztlich gilt es also, für jeden Patienten eine
optimale individuelle Therapie zu erarbeiten, was sehr zeitaufwendig sein kann.
Medikamentöse Schmerztherapie bei Cephalgie:
Die Behandlung des primären
(= nicht auf eine sonstige Krankheit zurückzuführenden)
Kopfschmerzes mit Medikamenten ist und bleibt angesichts mangelnder kausaler
(= ursächlicher)
Therapiemöglichkeiten eine Notlösung, weshalb im Hinblick auf die
Nutzen-Risiko-Relation die Arzneimittelverordnung ständig überprüft und der
aktuellen Leidenssituation des Patienten angepaßt werden muß.
Genaue Kenntnisse über Nebenwirkungen und Kontraindikationen
(= Gegenanzeigen)
sind für eine optimale Behandlung unabdingbare Voraussetzungen. Grundsätzlich
gilt, daß
Analgetika (=
Schmerzmittel)
möglichst nicht auf Dauer verabreicht werden sollen. Die Gefahr einer Gewöhnung
oder gar
Schmerzmittelabhängigkeit
wird durch Verordnung von Kombinationspräparaten noch gefördert. Besonders
gefürchtete Beimischungen sind Barbiturate, Kodein und Ergotamin.
Akuttherapie bei Cephalgie:
Für die Behandlung einer primären
(= nicht auf eine
sonstige Krankheit zurückzuführenden)
Zephalg
ie haben sich folgende
Analgetika
(= Schmerzmittel) bewährt:
Acetylsalicylsäure (z.B. ASS-ratiopharm®, Aspirin®), Paracetamol (z.B. ben-u-ron®)
und sog. nichtsteroidale Antirheumatika wie z.B. Ibuprofen (z.B. Brufen®, Dolgit®).
Besonders magenschonend und auch entzündungshemmend sind die sog. COX-2
Inhibitoren, z.B. Parecoxib (Dynastat®) oder Etoricoxib (Arcoxia®),
allerdings scheint diese Stoffgruppe mit einem Herz-/Kreislauf-Risiko verbunden
zu sein, zumindest bei längerer Therapiedauer. Es bleibt abzuwarten, ob
Parecoxib und Etoricoxib nicht auch noch vom Markt genommen werden, wie schon
andere Mittel dieser Stoffgruppe zuvor.
Zusätzlich kann die Gabe eines zentralen Muskelrelaxans
(= ein Mittel zur
Muskelentspannung), z.B. Baclofen
(z.B. Lioresal®) hilfreich sein. Der akute Spannungskop
fschmerz spricht auch auf
Ergotamingabe an. Hinsichtlich der Verordnungshäufigkeit bestehen aber die
gleichen Bedenken wie bei der
Migränetherapie.
Bei unzureichender Wirkung von Acetylsalicylsäure oder Paracetamol kann auch
Metamizol (z.B. Baralgin®, Novalgin®) versucht werden.
Die i.v. Applikation
(= in eine Blutader verabreicht)
(langsam) führt zu einem schnellen Wirkungseintritt. In seltenen Fällen kann
allerdings die gefürchtete Agranulozytose (= Zerstörung bestimmter Blutzellen)
auftreten.
Alternativ kommt aus der Gruppe der zentral wirksamen
(= im Rückenmark bzw. Gehirn
wirkenden) Schmerzmittel bei
Kop
fschmerzen
vom Spannun gstyp noch Tramadol (z.B.
Tramal®) in Frage, evtl. in Kombination
mit einem peripher (=
direkt im Schmerzbereich) wirkenden
Schmerzmittel. Tilidin, selbst in Verbindung mit Naloxon (z.B. Valoron N®) hat
nach unseren Erfahrungen immer noch ein gewisses Suchtpotential. Eine Entwöhnung
bzw. ein
Entzug ist manchmal
sehr schwierig.
Opioide oder Opiate
(= morphinähnliche Schmerzmittel)
sollten eher zurückhaltend verordnet werden.
Oftmals kann mit der
therapeutischen Lokalanästhesie
(= Behandlung mit einem örtlichen
Betäubungsmittel bzw.
Lokalanästhetika)
in Form von
Nervenblockade
n
(= Nervenbetäubungen)
und Infiltrationen dominanter Schmerzareale prompt Schmerzfreiheit erzielt
werden. Nicht selten ist zu beobachten, daß auch bei einmaliger Anwendung die
Wirkung deutlich über die Wirkdauer des verwendeten örtlichen Betäubungsmittels
hinaus anhält.
Therapie subakuter oder chron
ische r Kop
fschmerzen:
Zur Therapie subakuter
(= eher mäßiger) oder chron ische
r Kop
fschmerzen
haben sich verschiedene
psychotrope Substanzen (= Mittel, die auf die Psyche einwirken bzw. zu einer
Schmerzdistanzierung führen)
(z.B. Doxepin, Maprotilin) sehr bewährt. Primär kommen sie dabei wegen ihrer
schmerzdistanzierenden Wirkung zur Anwendung. Maprotilin (z.B. Ludiomil®) kommt
bei uns am häufigsten zur Anwendung und ist wegen der ausgeprägten dämpfenden
Wirkung besonders für unruhige Patienten geeignet. Amitriptylin (z.B. Saroten®)
ist stärker stimmungsaufhellend und mäßig dämpfend. Amitriptylinoxid (z.B.
Equilibrin®) ist eine biochemische Vorstufe des Amitriptylins und gilt als
besser verträglich. Doxepin (z.B. Aponal®, Sinquan®) eignet sich zur vegetativen
Harmonisierung, wirkt ausgesprochen depressionslösend und dämpfend. Diese
Substanz eignet sich auch zur Abschirmung eines Arzneimittelentzuges. Die
Dosierung erfolgt generell einschleichend.
Die genannten tri- und tetrazyklischen
Antidepressiva (=
Mittel gegen Depressionen) können
auch im Sinne einer Spannun
gskopfschmerzprop
hylaxe
(= Vor beugung) eingesetzt werden.
Oftmals behalten wir diese Medikation nach einer erfolgreichen Therapie für
weitere 2-3 Monate bei, allerdings in reduzierter Dosierung (z.B. nur abends).
In hartnäckigen Fällen hat sich die zusätzliche, niedrig bis mittel dosierte
Verabreichung eines
Neuroleptikum
s
(= Mittel zur
Beeinflussung der Psyche) bewährt.
Wir bevorzugen Levomepromazin (z.B. Neurocil®) in der Dosierung 3x3-15 Trpf.
Levomepromazin wirkt psychomotorisch
(= hinsichtlich Psyche und
Bewegungsabläufe) stark dämpfend, so daß es in Kombination besonders mit dem ähnlich
wirkenden Maprotilin vorsichtig dosiert werden muß.
Die Wirksamkeit von Serotonin-Antagonisten
(= Mittel, die dem
Gewebshormon Serotonin entgegenwirken)
wie Methysergid (Deseril®), Lisurid (Cuvalit®) und Pizotifen (z.B. Sandomigran®,
Mosegor®) ist bei Kop
fschmerzen
vom Spannun gstyp durch Studien
bisher nicht belegt. Auch die Wirksamkeit der Beta-Blocker
(= blutdrucksenkende Mittel,
aber auch nachgewiesen hilfreich bei Mig räne) wie z.B. Propanolol
(z.B. Dociton®) und Metoprolol (z.B. Beloc®) ist bei Kop
fschmerzen vom Spann un gstyp
wissenschaftlich bisher nicht eindeutig nachgewiesen, sie können dennoch
versucht werden.
Besonders bei Vorliegen einer "migränoiden" Begleitsymptomatik
(= z.B. Übelkeit, Licht- und
Lärmempfindlichkeit) ist als letzter
Therapieversuch auch der Einsatz von Triptane denkbar.
Zur Therapie der
Occipitalneuragie
eignen sich Antikonvulsiva
(= Mittel gegen die Fallsucht)
so z.B. Carbamazepin (z.B. Tegretal®). Oft besser wirksam sind aus dieser Gruppe
Gabapentin (z.B. Neurontin®) oder Pregabalin (Lyrica®), aber auch erheblich
teurer.
Das Mittel der Wahl bei
Hemicrania continua
(= anhaltender
Halbseitenkopfschmerz)
und bei der paroxysmalen
Hemikranie ist
Indometacin (z.B. Indometacin-hexal®).
Therapeutische Lokalanästhesie bei
chron
ische n Kop
fschmerzen:
Die Therapie mit lang wirkenden
Lokalanästhetika
(= örtliche Betäubungsmittel)
(Bupivacain, Etidocain) hat sich in der Therapie primärer
(= nicht auf eine sonstige
Krankheit zurückzuführende) Kop
fschmerzen
sowohl bei akuten als auch bei subakuten oder chron
ische
n Schmerzzuständen bei uns bewährt (Leser
et Hefermann,
Schmerzkl
inik Bad Mergen
theim 1990). Dabei werden
(stationär 1 bis 2 mal täglich) alle Ner
ven, die an der sensiblen Versorgung des
Schmerzbereichs beteiligt sind, an ihrem Austrittspunkt mit 1-2 ml blockiert.
Zusätzlich werden, falls betroffen, die Aurikulotemporalis- Region
(= Schläfengegend)
und korrespondierende Triggerpunkte
(= Schmerzreizpunkte)
infiltriert. Von besonderer Bedeutung sind die myofaszialen
(= von Mus
keln und deren
Gewebsumhüllung ausgehende)
Triggerpunkte.
Bei hinterkopfbetonten Schmerzbildern, auch mit mehr oder weniger deutlicher
Beteiligung der Halswir
belsäule, führen wir in gleicher Sitzung
tiefe Infiltrationen der angrenzenden Mus
kulatur mit insgesamt etwa 4- 6 ml
durch.
Bei chron
ische n, halbseitigen
Kop
fschmerzen
vom Spannun gstyp ist auch die
wiederholte Betäubung des
Ganglion stellatum
(= vegetative Schaltstelle im
seitlichen Halsbereich) mit einem
lang wirkenden
Lokalanästhetikum hilfreich. Im chron
ischen Stadium, aber auch bei
episodische
n (= von
Zeit zu Zeit auftretenden)
Kop
fschmerzen
vom Spannun gstyp, wenn die
schmerzfreien Intervalle nicht zu lange anhalten (z.B. nicht mehr als 1 Woche),
ist diese Therapie um so wirkungsvoller, je häufiger sie angewendet wird. Als
optimal erwiesen sich zwei Sitzungen pro Tag über einen Zeitraum von ca. 10-20
Tagen, was in der Regel allerdings organisatorisch meist nur stationär möglich
ist. Nicht selten kann eine anhaltende deutliche Schmerzlinderung, oft auch
Schmerzfreiheit, manchmal sogar schon nach wenigen Sitzungen erreicht werden.
Unter einer solchen intensiven therapeutischen Lokalanästhesie kann in der Regel
auch ein
Schmerzmittelentzug erfolgreich durchgeführt werden, sofern das Abusus-
(= Mißbrauch-)
oder Abhängigkeitsverhalten tatsächlich auf eine Schmerzbelastung und nicht etwa
auf ein psychisches Suchtpotential zurückzuführen ist.
Nichtmedikamentöse Therapie chron
ischer Kop fschmerzen:
Wie bei der
Migränebehandlung
werden die folgenden Methoden vorwiegend ergänzend eingesetzt, teilweise sind
sie aber auch unverzichtbare Bestandteile der Gesamttherapie.
B Sekundäre (symptomatische) Kop f schmerzen:
Die schematische Gliederung der möglichen Ursachen orientiert sich der besseren Übersicht wegen im folgenden am Symptom "Kop fschmerzen".
B1 Cephalgie als (zunächst)
einziges Symptom:
Diese Gruppe umfaßt mögliche Ursachen, bei denen typischerweise
Kop
fschmerzen
überhaupt oder zunächst als einziges Krankheitszeichen auftreten.
Differentialdiagnostisch (= zur Abgrenzung gegenüber anderen Erkrankungen)
wichtig innerhalb dieser Gruppe: "Ps
ychogene" Kop
fschmerzen.
Nach Soyka (1989) gibt es kein spezifisch psychogenes
(= rein psychisch bedingtes)
Kopfschmerzsyndrom.
Das "Ad-Hoc-Commitee" definierte die "psychogenen"
Kop
fschmerzen
als halluzinatorische Sinnestäuschung oder Ausdruck einer Konversionsneurose
ohne peripheren Schmerzmechanismus. Die Kritik an dieser Definition setzt bei
letztgenanntem Kriterium ein, gibt es doch primäre
Cephalgie n, bei denen auch
kein peripherer Schmerzmechanismus bekannt ist. Insgesamt gesehen dürften rein
psychogen verursachte
Kop
fschmerzen
relativ selten sein, wenngleich wir ihn in der Klinik recht häufig sehen (ca.
3-4% aller Patienten mit chron
ischen Kop
fschmerzen).
Dies ist jedoch darauf zurückzuführen, daß sich in einer
Schmerzklinik
naturgemäß Patienten mit therapieresistenten Cephalgie
n häufen.
B2 Kop
fschmerzen
als Begleitsymptom
(= zusätzlich auftretendes
Krankheitszeichen):
Neben Kop
fschmerzen
sind in der Regel weitere Symptome für die exakte Diagnose richtungsweisend. Die
Kenntnis der möglichen Krankheitsbilder ist allerdings wichtig, da manchmal auch
in untypischer Weise
Kop
fschmerzen
als zunächst einziges Symptom auftreten können. Außerdem gilt es, andere
Begleitsymptome nicht zu übersehen.
B2.1
Arteriitis temporalis
(Arteriitis
cranialis) (= En
tzündung der
Schläfenschlagader): Ursache ist die
Riesenzellarteriitis
(Riesenzellenarteriitis),
die vorwiegend neben der A. temporal is
(= Schlagader an der Schlä
fe)
auch die A. carotis externa
(= äußere Halsschlagader) und die A.
centralis retinae (=
Schlagader im Auge) befallen kann.
Die anhaltend bohrende, in ihrer Intensität wechselnde Kop
fschmerzen, hauptsächlich im
Schläfenbereich, treten meist im Rahmen eines allgemeinen Krankheitsgefühls auf.
Häufig bestehen auch
Muskelschmerz und
Gelenkschmerz. Anhaltende
Schläfenschmerzen
sprechen relativ gut auf wiederholte Infiltrationen im Ausbreitungsgebiet des N.
auriculotemporalis mit lang wirkenden
Lokalanästhetika
(= örtlichen
Betäubungsmittel) an.
Bei Befall der Kaumuskulatur tritt die typische Claudicatio mastica
toria (= Kaumuskelschwäche) auf. Die Blutsenkung ist regelmäßig stark erhöht.
Schon der Verdacht auf eine Ar teriitis temporalis zwingt wegen
der Gefahr der Erblindung (Befall der A. centralis retinae) zur sofortigen
Kortisonbehandlung. Der Nachweis der Krankheit erfolgt histologisch
(= durch Gewebeuntersuchungen).
B2.2 Folgende internistische Krankheiten können, wenn auch relativ selten, mit Cephalgie n einhergehen: Schilddrüsendysfunktion, Nebenniereninsuffizienz, Hypoglykämie, Hyperparathyreoidismus, Hypophysenadenom, Anämie (= Blutarmut), Panzytopathien, Leukämien, Angina pectoris, Aorteninsuffizienz.
B2.3 Exogene Intoxikationen
(= durch äußere
Ursache entstandene Vergiftungen) (Soyka
1980):
Eine Vielzahl von Noxen
(= schädliche Substanzen)
können Kop
fschmerzen
auslösen. Manche Autoren (z.B. Bing 1948) bezeichnen dieses Schmerzbild
als
vasomotorische
Cephalgie
(= von den Blutgefäßen ausgehende Kop
fschmerzen).
Die Schmerzsensationen nehmen meist innerhalb von Stunden zu, der
Schmerzcharakter wird oft als dumpf, bohrend und pulsierend angegeben. Häufige
Lokalisation: hinter den Augen, an St
irn, Sch
läfen und ringförmig um den ganzen Schädel. Die
Schmerzdauer hängt von der Dauer der Exposition
(= Zeitdauer der
Gifteinwirkung) ab.
Häufig liegt auch eine Mitbeteiligung des autonomen
(= unwillkürlichen)
Nervensystems in Form von Herzsensationen, Hyperhidrosis
(= starkes Schwitzen)
oder Schwindelgefühl vor. Die Vorgeschichte zeigt häufige Wiederholung des
Beschwerdebildes.
Medikamente.
Bei dieser Gruppe treten
Kop
fschmerzen
als Begleitsymptom oft schon in therapeutischer Dosierung auf, so daß man dann
allenfalls von einer relativen Intoxikation
(= Vergiftung) sprechen kann.
Folgende Wirkstoffe sind besonders zu erwähnen: Tetrazykline, Nitroglyzerin,
Nalidixinsäure und Indometacin. Nicht selten klagen Frauen über Kop
fschmerzen bei gleichzeitiger Kontrazeptiva-Medikation
(= Antibabypille).
Vitamin A -Überdosierung, oft als Folge einer Selbstbehandlung, ist ebenfalls zu
erwähnen.
Auch
Schmerzmittelmißbrauch
kann auf Dauer zu einer Cephalgie (Schmerzmittelkopfschmerzen,
Analgetikakopfschmerzen)
führen. Häufig werden sogenannte "rezeptfreie"
Schmerzmittel im
Rahmen einer Selbstbehandlung bevorzugt. Verstärkend wirken
Tranquilizer
(= Mittel zur Beruhigung)
oder barbiturathaltige Arzneimittel.
Die sog. kritische kumulative Wochendosis (= Menge die sich in einer Woche anhäuft),
bei deren Überschreiten die Ausbildung eines durch Medikamente hervorgerufenen
Kopfschmerzes droht, beträgt für Koffein 340 mg, Barbiturate 210 mg, Paracetamol
1875 mg, Pyrazolonderivate 1025 mg, Codein 60 mg und für ASS
(= bekannt als Aspirin) 1750 mg (Diener
1993). Es ist zu bedenken, daß sich hinter der Diagnose "Schmerzmittel-Kop fschmerzen" auch eine
Migräne, Kop
fschmerzen vom Spannungstyp oder sogar
Kombinationskopfschmerzen
verbergen können.
Der Entzug von
Schmerzmittel
verursacht häufig die typischen
Entzugskopfschmerzen,
die etwa zwischen 3 und 10 Tagen anhalten. Meist bestehen vegetative
Begleitsymptome wie Schwindel, Übelkeit, Schlaflosigkeit, aber auch innere
Unruhe. Auffallend ist,
daß
Schmerzmittelkopfschmerzen
ungleich häufiger bei Patienten auftreten, bei denen die
ursprüngliche Schmerzquelle, wegen der Schmerzmittel überhaupt eingenommen
wurden, ebenfalls Kop
fschmerzen
sind. Diese Beobachtung läßt vermuten, daß Patienten mit einer chron
ischen Cephalgie hinsichtlich der
Ausbildung eines Schmerzm
ittelkopfschmerzes deutlich empfindlicher
reagieren als Patienten, die wegen anderer, nicht im Kop f
lokalisierter, chronischer
Schmerzsyndrome
einen
Schmerzmittelabusus
betreiben.
Ähnliches gilt auch für die Analget ikaen
tzugskop
fschmerzen. Diese sehen wir hauptsächlich bei
Patienten mit vorbestehenden, chronische n
Kop
fschmerzen.
Ergotaminmißbrauch
führt ebenfalls zu
Dauerkopfschmerzen,
die sich bei Migränikern dem ursprünglichen Schmerzbild aufpfropfen, wodurch
Kombinationskopfschmerzen
entstehen. Die sog. kritische kumulative Wochendosis
(= Menge die sich in einer Woche anhäuft)
liegt für Ergotamintartrat bei 5 mg und für Dihydroergotamin bei 7 mg (Diener
1994). Der
Entzug von Ergotam
in verursacht analog zum
Schmerzmittel-Entzug
ebenfalls Beschwerden, vor allem aber treten in dieser Phase heftigste
Migräneattacken
gehäuft auf.
B2.4
Posttraumatische Cephalgie:
Die sogenannten posttrau matischen
(= nach einer Verletzung auftretenden)
Kop
fschmerzen
können prinzipiell nach jeder Verletzung im Kop
f-/Nackenbereich auftreten. Weder die Art der Verletzung noch das Ausmaß
der Gewebsdestruktionen korrelieren mit der Intensität und der Dauer dieser
Kop
fschmerzen.
So kann ein vergleichsweise harmloses
Schleudertrauma (Beschleunigungstrauma,
Beschleunigungsverletzung,
Peitschenschlagsyndrom)
ohne objektivierbare krankhafte Veränderung zu einer heftigen Zephalg
ie führen, während Patienten mit einem ausgedehnten Schädelbasisbruch
nach Ausheilung völlig kopfschmerzfrei sein können. Hinsichtlich Intensität,
Periodizität (=
zeitliches Auftreten) und
Lokalisation (= Ort
an dem die Schmerzen empfunden werden)
gibt es ebenfalls keine Gesetzmäßigkeiten.
Die posttrauma
tische Zephalg ie kann sowohl als
Kop
fschmerzen vom Spannungst
yp als auch als
Migränekopfschmerzen
oder gemischt, im Bereich der St irn und/ oder am Hinterkop
f betont, auftreten. Häufiger sehen wir Patienten, die typische Symptome
eines Kopfschmerzes vom Spannungst yp angeben, der aber
während einer örtlichen Betäubung der den Schädel versorgenden Ner
ven nicht wegbleibt. In diesen Fällen muß angenommen werden, daß die
Störung von den Hirnhäuten ausgeht, da das Hirngewebe ja schmerzunempfindlich
ist. Besonders ein längerer, verletzungsbedingter Leidensweg kann die Ausbildung
einer psychischen Überlagerung (Hypochondrie, Neurotizismen) begünstigen.
Eine erwähnenswerte Besonderheit des posttraumatischen Kopfschmerzes ist die
dysau
tonome Cephalgie.
Einseitige, attackenartige Schmerzsensationen mit vegetativer Beteiligung,
teilweise auch Mydriasis (= weite Pupille)
und Sehstörungen, kennzeichnen dieses Schmerzbild.
Therapie der sekundären
(= auf eine Grundkrankheit
zurückzuführenden)
Cephalgie:
Grundsätzlich gilt es, die
herausgefundene Schmerzursache ursächlich zu behandeln bzw. zugrundeliegende
Noxen (= schädliche
Stoffe) wegzulassen. Intermittierend
(= zeitweilig),
bis z.B. eine kausale
(= gegen die Ursache
gerichtete) Therapie wirksam wird,
können Schmerzmittel verabreicht werden.
Kann die ursächliche Krankheit nicht oder nicht mehr erfolgreich therapiert
werden (z.B. fortgeschrittener Hirntumor), können Behandlungsmaßnahmen wie beim
primären Nicht-
M
igräne- oder Clusterkop fschmerz
versucht werden.
Die Therapie bei der
Arteriitis temporalis
(= En
tzündung der
Schläfenschlagader) besteht in
sofortiger Verabreichung von Kortikosteroiden. Als Einstiegsdosis werden 100mg
Prednisolon täglich empfohlen, jeweils nach 5 Tagen wird dann um 10 mg
reduziert. Der therapeutische Fortschritt kann an der Blutsenkung ersehen
werden.
Wenn ein
Schmerzmittelmissbrauch
tatsächlich auf ein chronifiziertes
Schmerzsyndrom und
nicht etwa auf ein eigendynamisches Suchtpotential zurückzuführen ist, besteht
die Therapie der daraus resultierenden Schmerzmittelkopfschmerzen in sofortigem
Absetzen des Schmerzmittels und nicht etwa in ausschleichender Dosisreduzierung.
Da mit dieser Maßnahme ja die Schmerzquelle, wegen der die Schmerzmittel
überhaupt eingenommen wurden, nicht ausgeschaltet wird, muß die Behandlung
derselben mit anderen Mitteln fortgesetzt werden, denn es macht ja wenig Sinn,
in dieser Situation wieder auf (andere) Schmerzmittel zurückzugreifen. Als
alternative Behandlung eignet sich in besonderem Maße die wiederholte
Verabreichung eines lang wirkenden örtlichen
Betäubungsmittels (z.B. Bupivacain) in Form der therapeutischen
Lokalanästhesie. Parallel zum Ent
zug verordnen wir zur Abschirmung möglicherweise auftretender vegetativer
Entzugserscheinungen Trimipramin (z.B. Stangyl®), initial i.v..
Nicht selten besteht gleichzeitig auch ein Benzodiazepin-Mißbrauch. Eine
diesbezügliche Entzugssymptomatik kann mit Carbamazepin oder Valproinsäure
behandelt werden (Apelt et al. 1992).
Die Entzugsbehandlung bei Schmerzm ittelabusus erfordert
intensive ärztliche Interventionen, was in der Regel nur im Rahmen einer
stationären Behandlung durchführbar ist (Schmerzklinik).
Der "psyc
hogene"
(= psychisch verursachte)
Kop
fschmerz
sollte stationär psychosomatisch orientiert behandelt werden. Da die betroffenen
Patienten fast regelmäßig auf einer körperlichen Ursache ihrer Schmerzen
"bestehen", ist es nicht sinnvoll, sofort in die Psychotherapie einzusteigen,
man riskiert damit nur, daß der Patient die Behandlung abbricht. Indem wir mit
einer täglichen therapeutischen Lokalanästhesie im Kopfbereich beginnen, geben
wir dem Patienten das Gefühl, daß auch wir an die körperliche Entstehung seiner
Schmerzen glauben.
Gleichzeitig aber bestehen wir darauf, daß der Patient an
Einzelentspannungsübungen wie z.B. autogenem Training teilnimmt, was meist auch
eingesehen und toleriert wird. Der Psychotherapeut, der auch das autogene
Training durchführt, erhält so die Gelegenheit, die Patienten kennenzulernen und
Vertrauen zu bilden, um auf dieser Basis allmählich in psychotherapeutische
Interventionen einsteigen zu können.
Hilfreich ist auch eine 3-4 tägige psychovegetative Entspannung durch eine
sogenannte "Schlafkur". Zur wiederholten Schlafinduktion verwenden wir 1-2 mg
Flunitrazepam (z.B. Rohypnol ®), zusätzlich geben wir 1-2 mal täglich 40 mg
Prothipendyl (Dominal forte ® ). Eine weitere Interventionsmöglichkeit bietet
die Verabreichung psychotroper Substanzen
(= Mittel zur Behandlung der
Psyche, aber auch bei
Schmerzen hilfreich)
zur sog.
Schmerzdistanzierung.
3. Kombinationskopfschmerzen (kombinierte Cephalgie):
In der Klinik sehen wir den Kombinationskopfschmerz immer häufiger, wobei eindeutig die Kombination eines primären (= als eigenständiges Krankheitsbild auftretenden) (hauptsächlich Migräne) mit einem sekundären (= als Folge einer Erkrankung oder "Vergiftung" auftretenden) (hauptsächlich Analgetikakopfschmerz) Kop fschmerz dominiert. Bei Beteiligung eines Schmerzmittelkopfschmerzes kann oftmals die Ursprungskomponente erst nach einer Entzugsbehandlung diagnostiziert werden, weil erst dann die ursprüngliche spezifische Symptomatik wieder in den Vordergrund rückt. Eine kombinierte Cephalgie tritt fast immer als Dauerkopfschmerz auf.
Die Kombinationen
1. M igräne und Kop fschmerz vom Spannungst yp, wobei die einzelnen Komponenten entweder gemeinsam oder zeitlich voneinander getrennt auftreten können. Da die Einzelsymptome fließend ineinander übergehen können, lassen sich nicht in jedem Falle die Einzelkomponenten trennen. Häufig kommen die Patienten mit der Hilfsdiagnose "mig ränoide Cephalgie" (= migräneartige Cephalgie).
2. M igräne und Schmerzmittel- / Ergotamin- Kop fschmerz. Bei dieser kombinierte n Cephalgie dominiert als zweite Komponente aufgrund eines Schmerzmittel- oder Ergota minabusus (= mißbräuchliche Anwendung von Ergota min) ein vasomotorischer (= von Blutgefäßen ausgehender) Schmerztyp, also dumpf und pulsierend. Ein unflankierter Ent zug des Ergotamins (= in dem als alleinige Maßnahme das Ergota min weggelassen wird) führt häufig zu statusartigen (= anhaltenden) Migräneanfälle n.
3. Spannungs- und Schmerzmittel-Kop fschmerz. Anamnestisch traten die ursprünglichen Kop fschmerzen vom Spannungst yp früher sehr häufig, oft täglich auf und zwangen so zu häufiger Schmerzmitteleinnahme, wodurch sich schleichend zusätzlich ein Schmerzmittelkop fschmerz ausbildete. Aktuell geben die Patienten meist einen Dauerkop fschmerz mit wechselnder Intensität an.
4. Andere kombinierte Cephalgie n sind möglich, jedoch seltener, so z.B. vertebragener Kop fschmerz (= von der Halswir belsäule ausgehende Zephalg ie) und Schmerzmittelkop fschmerz.
Therapie des Kombinationskopfschmerzes:
1. Zur Behandlung der Kombination von M igräne und Kop fschmerz vom Spannungst yp gilt als Mittel der Wahl die parallele Medikation mit einem Beta-Blocker (= eigentlich ein Blutdruckmittel, wirkt aber auch gegen Mi gräne) und einem Antidepressivum (= Mittel gegen Depression, aber auch bei Schmerzen hilfreich). Wir bevorzugen Propanolol (z.B. Dociton ®), 160-240 mg/d und Maprotilin (z.B. Ludiomil ®), bis 150 mg/d. Für die akute und subakute Behandlung hat sich die therapeutische Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel) im Kopfbereich bewährt. Je nach aktueller Schmerzsituation können auch Schmerzmittel verabreicht werden.
2. Bei allen Kombinationen, die mit einem
Schmerzmittel- oder Ergota
minabusus
(= mißbräuchliche Anwendung von
Schmerzmittel bzw. Ergota min)
einhergehen, wie die Kombinationen
M
igräne und Schmerzm
ittel- oder Ergotaminkop
fschmerz,
steht zunächst die Entzugsbehandlung im Vordergrund. Wegen des gefürchteten
Entzugskopfschmerzes sollte die Behandlung stationär in einer Schmerzklinik
erfolgen.
Nach unserer Erfahrung läßt sich ein Ent zug besonders
erfolgreich mit
Trimipramin (z.B. Stangyl ®)
(= ein Mittel primär zur
Behandlung der Psyche, wirkt aber auch schmerzlindernd)
bewerkstelligen. Die sonst ca. 3-10 Tage anhaltenden Entzugskop
fschmerzen sprechen in der Regel
zuverlässig auf die wiederholte (1 bis 2 mal tägliche) therapeutische
Lokalanästhesie im Kopfbereich an.
Die Behandlung mit einem
örtlichen Betäubungsmittel ist in dieser Situation die optimale Lösung, da
es wenig sinnvoll ist, den Entzugskop fschmerz wieder mit (anderen)
Schmerzmitteln behandeln zu wollen. Da die therapeutische Lokalanästhesie auch
zur prophylaktischen
(= vorbeugenden)
Migränebehandlung
geeignet ist, tritt die ursprüngliche
M
igräne
nach einem erfolgreichen
Entzug oft nur noch in abgeschwächter Form auf.
Bei nicht ausreichender Wirkung kann immer noch zusätzlich ein Betablocker
(= Blutdruckmittel,
das auch bei Mi
gräne hilft)
(z.B. Propanolol) oder ein Serotonin-Antagonist
(= ein dem Gewebshormon Serotonin entgegenwirkendes Mittel)
verabreicht werden.
3. Die Behandlung der Kombination
Spannungs- und Schmerzmittelkop fschmerz
erfolgt analog zu 2. Zunächst beginnt man wieder die Ent
zugsbehandlung mit Trimipramin (z.B.
Stangyl®) unter dem Schutz einer wiederholten therapeutischen Lokalanästhesie
(= Behandlung mit
einem örtlichen Betäubungsmittel). Im
Zuge einer stationären Behandlung führen wir diese dann 2x täglich noch ca.
10-14 Tage konsequent weiter.
Zur
Schmerzprophylaxe
(=
Schmerzvorbeugung)
des Spannungskopfschmerzes ist die Einleitung einer schmerzdistanzierenden
psychotropen Medikation
(= Mittel zur Behandlung der
Psyche, wirkt aber auch gegen Schmerzen)
sinnvoll. Dazu tauschen wir dann später Trimipramin (z.B. Stangyl®) gegen
Maprotilin (z.B. Ludiomil®) oder Doxepin (z.B. Aponal®) aus.
4. Vom Prinzip her gelten die beschriebenen
Therapiemaßnahmen auch für andere
kombinierte Cephalgie
n. Ist
eine Komponente ein Schmerzmittelkop fschmerz, so erfolgt
immer zunächst der Ent
zug, danach wird das ursprüngliche Kop
fschmerzsyndrom behandelt. In der Praxis ist es allerdings oft nicht
einfach, einen Kombinationskop fschmerz zu erkennen, besonders
wenn eine langjährige chronische Verlaufsform vorliegt.
Auch wenn wir nicht sicher sind, daß ein Schmerzm ittel- (oder
Ergota
min-) Kop fschmerz vorliegt,
dies aber aufgrund des aktuellen Medikamentenverbrauchs theoretisch möglich
erscheint, führen wir einen Schmerzmittelentzug durch, wobei wir die gewohnte,
bisherige Schmerzmittelmedikation sofort absetzen. Nicht selten bleibt eine
Zephalg
ie nach dieser Behandlung völlig weg, so daß
dann nicht einmal mehr im nachhinein eine differenzierte Diagnose gestellt
werden kann.
Therapeutische Lokalanästhesie
(= Behandlung mit
einem örtlichen
Betäubungsmittel)
im Bereich des Kopfes zur
Entzugsbehandlung:
Blockade aller Ner
ven, die an der sensiblen Innervation
(= Versorgung) des Schmerzbereichs
beteiligt sind (infrage kommen die Ner
ven supraorbitales, occipitales majores
et minores), mit 1-2 ml z.B. Bupivacain 0,25-0,5% an ihren Austrittspunkten, 1
bis 2 mal täglich. Zusätzlich werden, falls betroffen, die Aurikulotemporalis-
Region (=
Schläfenbereich) und
korrespondierende Triggerpunkte
(= Schmerzreizpunkte) infiltriert. Von besonderer Bedeutung sind die myofaszialen
(= Mus
keln und deren Gewebsumhüllung
betreffende) Triggerpunkte.
Bei einer hinterkopfbetonten Cephalgie, auch mit mehr oder
weniger deutlicher Beteiligung der Halswir
belsäule, unabhängig davon wie der Kop fschmerz nach
den obengenannten Kriterien klassifiziert wurde, führen wir in gleicher Sitzung
tiefe Infiltrationen der paravertebralen (= an die Wir belsäule angrenzenden) Mus
kulatur mit insgesamt etwa 4- 6 ml durch.
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R
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S
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Schmerzen in
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Entzündung,
Schmerzen bei
Berührungen,
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Bewegungen, chronische
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Brustbein,
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Brustkorb,
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Schmerzen in
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Füße,
Schmerzen in der Flanke
(Flanken), Schmerzen
im Fuß,
Schmerzen in der
Fußsohle,
Schmerzen im Gaumen,
Schmerzen im Gelenk,
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Schmerzen im Kiefergelenk,
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