CEPHALGIE
kombinierte Cephalgie
Der Begriff Cephalgie besteht aus den Wortteilen Cephalus (= Kop f) und Algie (= Schmerzhaftigkeit). Abgekürzt entstand daraus die Krankheitsbezeichnung Cephalgie.
Cephalgie ist ein Oberbegriff für alle im Kop
fbereich vorkommenden SchmerzformenSystematik
(= Einteilung) der Cephalgie n:|
1. Primäre Cephalgie |
|
1.1 Migräne |
|
- ohne Aura |
|
- mit Aura |
|
- andere Cephalgie -Formen |
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1.2
Spannungskopfschmerz |
|
1.4
Primäre
Cephalgie,
die weder den
Migräne
- noch dem |
|
- zervikogener Ko pfschmerz |
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- Hemicrania continua (anhaltender Halbseitenkopfschmerz) |
|
-
Neck-tongue-Syndrom |
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2. Sekundäre Cephalgie (symptomatischer Ko pfschmerz) |
|
- Ko pfschmerzen als (zunächst) einziges Symptom |
|
- Ko pfschmerzen als Begleitsymptom |
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- Migräne und Spannungskopfschmerz |
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- Migräne und Schmerzmittelkopfschmerzen / Ergotaminkopfschmerz |
|
- andere Kombinationskopfschmerz en |
Die internationale Kopfschmerzgesellschaft definiert 176 verschiedene Cephalgie -Formen, jedoch können 90% aller Kop fschmerzen zwei Formen zugeordnet werden, der Migräne und dem Spannungskopfschmerz.
Die einzelnen Cephalgie - Bilder
Dieser Begriff bezeichnet Kop fschmerzen, die nicht als Krankheitszeichen auf eine faßbare organische oder psychische Grundkrankheit zurückzuführen sind. Sie gelten als eigenständige Schmerzkrankheiten, die im Gegensatz zum symptomatischen (= als Folge einer bekannten Krankheit auftretender) Kop fschmerz nicht kausal (= ursächlich, gegen die Grundkrankheit gerichtet) behandelt werden können (Soyka 1989).
1.1
Migräne:
Bei dieser
Zephalg
ie
treten in typischer Weise
anfallsartige, bevorzugt halbseitige Kop
fschmerzen (Hemikranie)
auf, begleitet von Übelkeit bis hin zu Erbrechen, Lärm- und
Lichtempfindlichkeit. Darüber hinaus kann es zu Seh- und
Nervenstörungen
kommen. Fast regelmäßig wird die Schmerzqualität als pulsierend, pochend und
hämmernd angegeben. Ätiologie
(= Krankheitsursache)
und Pathogenese (=
Krankheitsentwicklung) sind letztlich
noch nicht sicher geklärt.
Nach der IHS-Klassifikation von 1988 gibt es hauptsächlich zwei Gruppen:
Migräne mit und
ohne Aura. Die frühere Einteilung in einfache, klassische und
komplizierte M
igräne wurde aufgegeben.
Die einzelnen M igränetypen (IHS-codierte Klassifikation )(Göbel 1994) sind:
|
- Migräne ohne Aura |
|
- Mig räne mit Aura |
|
- Mig räne mit typischer Aura |
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- Mig räne mit prolongierter Aura |
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- Familiäre hemiplegische Aura |
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- Mig räneaura ohne Kop fschmerz |
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- Mig räne mit akutem Aurabeginn |
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- Ophthalmoplegische Mig räne |
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- Retinale Mig räne |
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- Periodische Syndrome in der Kindheit als möglicher |
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Vorläufer oder Begleiterscheinungen einer Mig räne |
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- Gutartiger paroxysmaler Schwindel in der Kindheit |
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- Alternierende Hemiplegie in der Kindheit |
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- Mig räne -Komplikationen: |
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Status mig raenosus |
|
Mig ränöser Infar kt |
|
- Migräneartige Störungen, die die genannten Kriterien nicht erfüllen |
Die genaue Klassifikation der Migränekop fschmerzarten ist manchmal nicht ganz einfach, weshalb nachstehend einige Erläuterungen folgen:
Als typische Anfangssymptome einer
M
igräne (Aura) gelten Sehstörungen,
(halbseitige) sensible und motorische
(= Bewegungs-) Störungen sowie
Dysphasie (=
Sprachausdrucksstörungen). Die
Krankheitszeichen entwickeln sich i.d.R. über einen Zeitraum von fünf bis 30
Minuten und klingen innerhalb einer Stunde wieder völlig ab.
Eine M
igräne mit prolongierter
(= verlängerter)
Aura liegt dann vor, wenn zumindest
ein typisches Symptom länger als 60 Minuten und weniger als eine Woche anhält.
Bei der familiären hemiplegischen
(= mit einer Halbsei
tenlähmung einhergehenden)
M
igräne
besteht bei mindestens einem Verwandten (1. Grad) das gleiche Krankheitszeichen.
Bei der
Basilarismigräne
geht die Zephalg
ie
mit Krankheitszeichen des Gehirns einher (z.B. Schwerhörigkeit, Doppelsehen,
sensible oder motorische Störungen, Schwindel).
Nach Göbel (1994) ist es umstritten, ob die Kop
fschmerzen bei der ophthalmoplegische
M
igräne
(Schmerzattacken,
die mit einer Lähmung der Augenmuskeln einhergehen) überhaupt der
M
igräne zugeordnet werden können.
Gleiches gilt für die periodischen Syndrome in der Kindheit
(anfallsartiger Schwindel und abwechselnde
Halbseitenlähmung,
in Verbindung mit Störungen der Hautempfindlichkeit oder Beweglichkeit sowie
vegetativen Krankheitszeichen, möglicherweise sind diese Erscheinungen
epileptiformer (=
fallsuchtartiger) Natur).
Bei der "kindlichen
M
igräne"
können auch
Bauchschmerzen mit Übelkeit bis hin zu Erbrechen auftreten, gelegentlich
auch ein Temperaturanstieg, ohne daß eine
Zephalg
ie
vorliegt.
Bei der retinalen
M
igräne
ist die Zephalg
ie
von einem einseitigen
Gesichtsfeldausfall oder gar Erblindung begleitet, was bis zu einer Stunde
anhalten kann.
Als
M
igränekomplikation
ist der Status mig
raenosus
zu nennen, gekennzeichnet durch eine Dauer der Kop
fschmerzen von mehr als 72 Stunden Dauer,
trotz Behandlung. Eine weitere Komplikation ist der mig
ränöse Infa
rkt.
Dieser liegt vor, wenn ein ischäm
ischer (=
durch Blutmangel bedingter)
Hirninfarkt
nachweisbar ist, oder die Aurasymptomatik
(= anfängliche Krankheitszeichen einer Mi
gräne)
nicht innerhalb von 7 Tagen völlig abklingt.
Therapie der Migränekop fschmerzen: Zunächst muß der Patient eingehend über die M igräne -Erkrankung aufgeklärt und über die Behandlungsmöglichkeiten informiert werden. Auf anamnestisch (= aus der Vorgeschichte) eruierte auslösende Faktoren (z.B. Schokolade, Käse, Rotwein) sollte besonders eingegangen werden. Hinweise auf eine vernünftige Lebensweise sind hilfreich, so z.B. regelmäßige Ruhezeiten, maßvolle körperliche Aktivitäten, möglichst Verzicht auf Alkohol und Nikotin und Vermeidung von Streßsituationen.
Therapie des akuten Migräneanfalls:
Ganz wichtig ist der Hinweis, daß
Analgetika (=
Schmerzmittel)
möglichst frühzeitig einzunehmen sind, d.h., der Patient darf nicht abwarten,
bis das Vollbild des Migränekop
fschmerzes eingetreten ist, sondern die
Medikamenteneinnahme soll schon bei den ersten Anzeichen erfolgen. Als Mittel
der ersten Wahl gilt noch immer die Einnahme von Acetylsalicylsäure
(ASS)(z.B. Aspirinâ
) 1-1,5 g. Bei ungenügender Wirkung von ASS empfiehlt sich ein Versuch mit
Paracetamol (z.B. ben-u-ronâ
), 1-1,5 g (in Form von Tbl., Saft oder Zäpfchen).
Nichtsteroidale Antirheumatika (z.B. Naproxen, Diclofenac, Ibuprofen) sind gegen
M
igräne
ebenso wirksam wie ASS bei vergleichbarer
oder geringerer Nebenwirkungsrate. Besonders magenschonend sind die sog. COX-2
Inhibitoren, z.B. Parecoxib (Dynastat®) oder Etoricoxib (Arcoxia®),
allerdings scheint diese Stoffgruppe mit einem Herz-/Kreislauf-Risiko verbunden
zu sein, zumindest bei längerer Therapiedauer. Es bleibt abzuwarten, ob
Parecoxib und Etoricoxib nicht auch noch vom Markt genommen werden, wie schon
andere Mittel dieser Stoffgruppe zuvor.
Bewährt hat sich bei stärkeren Migränekop
fschmerzen auch die Kombination von 1g ASS mit 1g Paracetamol. Auch ein
Therapieversuch mit Metamizol (z.B. Novalginâ
) ist manchmal lohnend.
Ein potentes Therapeutikum bei
Migränekopfschmerzen
ist der Serotoninagonist
(= Mittel, das dem Gewebshormon Serotonin entgegenwirkt)
Sumatriptan (Imigran®). Initiale Dosierung : 100mg zum Einnehmen oder 6mg
unter die Haut gespitzt. Bei Wiederauftreten von Kop
fschmerzen maximal zwei Verabreichungen
in 24 Std. Häufiger wurde über ernstzunehmende Nebenwirkungen berichtet, auch in
den Medien. Bei Beachtung der Anwendungsbeschränkungen kann das Verhältnis von
Wirksamkeit und Verträglichkeit jedoch als günstig angesehen werden (Tfelt-Hansen
1993). Wegen des relativ hohen Preises dürfte Sumatriptan (gilt auch für andere
Triptane) allerdings erst dann zum Einsatz kommen, wenn andere
Migränemittel nicht
den gewünschten Erfolg bringen. Zwischenzeitlich gibt es weitere Triptane, z.T.
auch als (Nase
n-) Spray zum schnelleren Wirkungseintritt: Zolmitriptan (AscoTop 2,5®,)
Naratriptan (Naramig®, als Formigran® rezeptfrei),
Rizatriptan (Maxalt®), Almotriptan (Almogran®), Frovatriptan (Allegro®)
und Eletriptan (Relpax®). Zur Behandlung der hemiplegischen,
ophthalmoplegischen oder
Basilaris-Migräne
sind Triptane allerdings nicht geeignet.
Ergotaminpräparate sind klassische Pharmaka zur Kupierung eines
Migräneanfall
s, wegen der möglichen Nebenwirkungen jedoch nicht ganz
unproblematisch. Die Gefahr einer Gewöhnung und Auslösung eines zusätzlichen
Dauerkopfschmerz
es steigt mit zunehmender Einnahmehäufigkeit. Aus diesem Grunde sollten
pro Woche nicht mehr als 6mg Ergotamintartrat und pro Migräneattac
ke nicht mehr als 4mg eingenommen werden
(Göbel, Ensink et. Soyka 1994).
Grundsätzlich gilt auch hier, daß beim
Migränekopfschmerz
die Verwendung von Mischpräparaten (z.B. Ergotamintartrat mit Koffein oder
Prophyphenazon, Codein, Paracetamol usw.) strikt vermieden werden soll. Auf
dieser Therapiestufe kann auch Dihydroergotamin (Hydergin®) i.m.
(= in den Mus
kel)
oder ganz langsam i.v.
(= in eine Blutader)
versucht werden (1-1,5mg).
Besonders bei ausgeprägten vegetativen Migränebegleiterscheinungen hat sich die
zusätzliche Gabe von 1-2 mg Flunitrazepam (Rohypnol®)
(= ein Schlafmittel) sehr bewährt,
auch unter dem Aspekt, Schmerzmittel einzusparen, zumal die Patienten in dieser
Situation ohnehin das Bedürfnis haben, sich hinzulegen.
Werden die Migränekop
fschmerzen von Nausea
(= Übelkeit, Brechreiz)
und Erbrechen begleitet (evtl. auch schon vor dem erwarteten Auftreten dieser
Symptome), ist die Verabreichung von Metoclopramid (Paspertin®) sehr
wirksam, zum Einnehmen oder als Zäpfchen bis zu 20mg, i.m. oder i.v. 10mg.
Metoclopramid sollte nicht an Kinder unter 10 Jahren verabreicht werden. Es ist
vorteilhaft, diese Substanz vor einem
Analgetikum
(= Schmerzmittel)
einzunehmen, weil Metoclopramid die Darmtätigkeit steigert und somit die
Resorption (= Aufnahme im Dar
m) weiterer verabreichter Substanzen fördert. Alternativ kann auch der
Dopamin-Antagonist Domperidon (Motilium®) verwendet werden, Tabletten oder
Tropfen bis zu 30mg.
Unter stationären Bedingungen, denkbar auch in einem separaten Raum innerhalb
einer Praxis, hat sich bei
M
igräne die Verabreichung einer Infusion
(500ml Kochsalzlösung) mit 1g ASS (Aspisol®) kombiniert mit 10mg Metoclopramid
(z.B. Paspertin®) und 1-2mg Flunitrazepam (z.B. Rohypnol®) sehr bewährt, bei
heftigen Schmerzen zusätzlich 50-100mg Tramadol (z.B. Tramal®).
Die
therapeutische Lokalanästhesie
(= Behandlung mit einem
örtlichen
Betäubungsmittel) ist im bereits
voll entwickelten akuten Migräneanfall wenig hilfreich. Allerdings kann bei
frühzeitiger Durchführung die Symptomatik in vielen Fällen abgeschwächt werden,
so daß oftmals Analgetika
(= Schmerzmittel)
gar nicht oder in weit geringerer Dosierung als sonst üblich eingenommen werden
müssen.
Wir blockieren vorzugsweise mit Bupivacain 0,5% die Ner
ven supraorbitales
(=
Ner
ven
an der Augenbraue) (je ca. 0,5ml),
occipitales major (=
Ner
ven
am Hinterkop
f) (je ca. 1ml) und minor (je ca. 0,5-1 ml) und infiltrieren die
Schläfenregion beiderseits (je ca. 1-2ml). Obwohl die Migränekop
fschmerzen meist nur einseitig
auftreten, hat es sich bewährt, diese Behandlung nicht nur auf die aktuell
betroffene Kopfhälfte zu beschränken.
Wenn heftige
M
igräne -An
fälle gehäuft (mehrmals pro Woche)
auftreten, sind im Rahmen einer stationären Behandlung schmerzseitige
Blockaden (=
Betäubungen) des
Ganglion stellatum
(= eine vegetative Schaltstelle im seitlichen Halsbereich)
in engmaschiger Abfolge sehr hilfreich.
Artet die Zephalg
ie
in einen Status mig
raenosus (= länger als 72h anhaltender Migränean
fall) aus, so ist dies eine Indikation
(= Anzeige) zur
stationären Aufnahme.
Bewährt hat sich die mehrmalige (2-3x in 24 Std.) Verabreichung von 1-2mg
Flunitrazepam (z.B. Rohypnol®), initial zusammen mit 40mg Prothipendyl (z.B.
Dominal forte®), sowie eine Tropfinfusion mit 100 mg Tramadol, 1g Aspisol® und
10-20mg Metoclopramid. Bei anhaltendem Erbrechen sollte mit der Gabe von
Dehydrobenzperidol (z.B. 2,5 mg i.m.) nicht gezögert werden.
Allgemeinmaßnahmen im Migränean
fall bestehen in Reizabschirmung (ruhiges und verdunkeltes Zimmer).
Migräneprophylaxe
(= vorbeugende Behandlung):
Nicht immer sind die Patienten
bereit, auch im schmerzfreien Intervall konsequent Medikamente einzunehmen, so
daß oftmals eine ausführliche Aufklärung erforderlich ist. Eine
Migränevorbeugung
sollte nur dann erfolgen, wenn die
Migräneattacken
mindestens zwei mal pro Monat auftreten. Nach Göbel und Soyka
(1994) ist die Indikation auch gegeben, wenn im bisherigen Verlauf mindestens
zweimal ein Status mig
raenosus, eine prolongierte
(= verlängerte)
Aura oder einmalig ein mig
ränöser Infa
rkt
(= Gewebszerstörung in bestimmten Hirnbereichen infolge von
Sauerstoffmangel) aufgetreten sind.
Als Mittel der ersten Wahl gelten Beta-Rezeptorenblocker
(= eigentlich Blutdruckmittel, die aber auch gegen Mi
gräne wirken).
Allerdings haben nicht alle Substanzen aus dieser Gruppe eine vorbeugende
Wirkung auf die
Migräne. Relativ
sicher wirken Propanolol und Metoprolol (Diener 1989); beide Substanzen
werden langsam einschleichend dosiert. Die tägliche Höchstdosierung für
Metoprolol (z.B. Beloc®) beträgt 200mg, für Propanolol (z.B. Dociton®) 240mg.
Bei Ausbildung nicht tolerierbarer orthostatischer
(= den Kreislauf betreffende)
Störungen oder einer Bradykardie
(= zu langsamer Puls)
muß die Behandlung abgebrochen werden (ausschleichend). In der Einschleichphase
müssen daher regelmäßige Puls- und Blutdruckkontrollen durchgeführt werden. Die
Wirkungsweise der Beta-Blocker in Bezug auf den Migränekop
fschmerz ist noch nicht sicher bekannt.
Diese Vorbeugung ist allerdings nicht für die
Basilarismigräne
geeignet.
Zur Intervalltherapie des Migränekopfschmerzes eignen sich auch
Kalzium-Antagonisten
(= ein Mittel das der Wirkung
von Kalzium entgegenwirkt). Flunarizin (Sibelium®) sollte aufgrund einer Bewertung durch das
Bundesgesundheitsamt nur bei Patienten eingesetzt werden, die unter häufigen und
schweren Mig
räneanfällen leiden und bei denen eine
Behandlung mit Beta-Blockern kontraindiziert
(= gegenangezeigt)
ist bzw. keine ausreichende Wirkung gezeigt hat. Nach einer Studie hat sich
Cyclandelat (Natil®) zur Prop
hylaxe nicht bewährt.
Eine weitere Prophylaxemöglichkeit (3. Wahl) des Migränekop
fschmerzes besteht in der Verabreichung
von Serotonin-Antagonisten
(= Mittel, die dem Gewebshormon
Serotonin entgegenwirken).
Pizotifen (Sandomigran®) hat einen hemmenden
Effekt auf die Serotonin-Freisetzung im Anfangsstadium der
M
igräne. Lisurid (Cuvalit®), ein Ergotamin
-Derivat, ist ein Serotonin -Partialantagonist. Die Tagesdosis beträgt 0,075 mg.
Im Gegensatz zu anderen Autoren (Soyka 1989) wird diese Substanz bei uns
kaum verwendet, da bisherige Therapieversuche nicht überzeugt haben.
Zur Prop
hylaxe der
Zephalg
ie
bei der sog. menstruellen
(= regelbedingten)
M
igräne
soll Sulpirid (Dogmatil®) hilfreich sein (Thoden 1986). Göbel und
Soyka (1994) empfehlen eine "Kurzzeitprophylaxe" mit 250-500 mg Naproxen,
vier Tage vor der erwarteten Regel bis drei Tage danach.
Das Derivat der Lysergsäure, Dihydroergotamin (Hydergin®) ist zur Vor
beugung des Migränekop
fschmerzes umstritten. So wird es z.B. in
anglo-amerikanischen Ländern dafür nicht verwendet.
Zur
Migräneprophylaxe
(=
Migränevorbeugung)
soll auch das Antiepileptikum
(= Mittel gegen die
Fallsucht)
Gabapentin (z.B. Neurontin®) eingesetzt werden können. Zur
vorbeugenden
Migränebehandlung
ist in Deutschland auch das Antiepileptikum
(= eigentlich
ein Mittel gegen die Fallsucht)
Topiramat
(Topamax®) zugelassen. Dieses Medikament sollte aber nur bei Erwachsenen
angewendet werden und nur dann, wenn eine Therapie mit Betablockern nicht
indiziert
(= angezeigt)
ist, zuvor nicht erfolgreich war oder nicht vertragen wurde.
Nach einem Bericht in der Welt (19.4.04) soll zur Vorbeugung der
Migräne mit Aura
auch die regelmäßige Zufuhr von Folsäure geeignet sein.
Wenn die An
fälle gehäuft (z.B. mehrmals pro Woche)
auftreten und andere vorbeugende Medikamente (z.B. Beta-Blocker) nicht greifen,
ist nach unserer Erfahrung bei dieser
Zephalg
ie
auch die therapeutische
Lokalanästhesie
(= Behandlung mit
einem örtlichen
Betäubungsmittel)
lohnend, besonders wenn sie über 2-3 Wochen unter stationären Bedingungen 2x
täglich konsequent durchgeführt wird (Leser et Hefermann,
Schmerzkl
inik Bad Mergen
theim 1990). Dabei betäuben wir,
wie zur Akutbehandlung schon beschrieben, die das Kranium
(= den knöchernen Schädel)
versorgenden
Nerven
an ihren Austrittspunkten. Ergänzt wird die Behandlung durch tiefe Infiltration
der oft verspannten, an die
Halswirbelsäule
angrenzenden
Muskulatur.
Die Wirkungsweise dieser Therapie ist beim
Migränekopfschmerz
nicht geklärt, vermutlich kommt es zu einer tiefgreifenden neurovegetativen
Umstimmung.
Diese Wirkungsvorstellung ähnelt sehr dem neuraltherapeutischen Konzept,
allerdings mit dem Unterschied, daß statt
Procain das lang wirkende örtliche Betäubungsmittel
Bupivacain verwendet wird.
Ergänzende Methoden zur
Migränetherapie:
Meist werden die folgenden Methoden
ergänzend eingesetzt, d.h. als Monotherapie
(= alleinige Behandlung)
ist die Wirkung in der
Migränebehandlung
in der Regel nicht ausreichend.
Eine der klassischen Indikationen für die
Akupunktur
(Schmerzakupunktur)
ist eine Cephalgie. Zur Behandlung des Migränekopfschmerzes dominieren
Nadelpunkte auf dem Gallenblasen-Meridian, so z.B. die Punkte 3, 17, 40 und 43,
zusätzlich das Lenkergefäß 25 in der Mitte der Nasenwurzel (Kossmann et
al. 1986). Es sei darauf hingewiesen, daß auch für die Behandlung der
M
igräne mit Akupunktur (noch) keine
wissenschaftlich exakten Ergebnisnachweise vorliegen.
Die transkutane Nervenstimulation mittels Niederfrequenzgenerator über
Klebeelektroden (TENS) kann beim Migränekop
fschmerz, wenn sie bei den ersten Anzeichen einer Attac
ke durchgeführt wird, durchaus eine
Linderung der Beschwerden herbeiführen, manchmal sogar den Ausbruch einer Attac
ke verhindern.
Bei vielen M
igränpatienten fällt auf, daß auch im
schmerzfreien Intervall die an die Halswir
belsäule angrenzende Mus
kulatur, teilweise auch die
Schulter muskulatur
verspannt ist. In diesen Fällen hat sich die Verordnung von physikalischen
Therapiemaßnahmen (z.B. Fango, Kältebehandlung) und Krankengymnastik als
ergänzende Behandlung bewährt. Manchmal kann auch durch eine manuelle
Lymphdrainage im Kop
f-/Halsbereich eine deutliche Linderung
der
Migränekopfschmerzen
erzielt werden.
Zu erwähnen wäre bei
M
igräne auch die Hydrotherapie in
Form von Wechselbädern der
Extremitäten
(=
Arme,
Beine)
und/ oder Kneippschen Güssen. Wahrscheinlich beruht der oft zu beobachtende
positive Effekt auf einer neurovegetativen Umstimmung im Sinne eines
ganzheitlichen Behandlungsansatzes.
Bewährt hat sich bei
M
igräne
auch
Biofeedback (=
Registrierung und Rückmeldung bioelektrischer Signale).
Auch
psychologischen Interventionen können Migränekop
fschmerzen lindern: hauptsächlich Entspannungstechniken,
Streß - und
Schmerzbewältigungstraining.
1.2
Spannungskopfschmerzen
(oft auch als Kop
fschmerzen bzw. Cephalgie vom
Span
nungstyp
bezeichnet):
Dieser Schmerz kann in zwei
übergeordneten Formen auftreten:
Der
Spannungskopfschmerz
von allen genannten Begriffen am wenigsten klar definiert. Der Begriff wird
deshalb oftmals als Verlegenheitsdiagnose verwendet.
Die Symptomatologie
(= die verschiedenen Krankheitszeichen) wird in der Literatur nicht einheitlich angegeben. Nach Meyer
(1989) ist die Lokalisation der Kop fschmerzen wechselnd,
oft fronto/okzipital
(= im Stir n/Hinterhaupt-Bereich auftretend), Soyka (1989) dagegen
gibt als Schwerpunkt die
Nac
ken- und
Hinterkopfregion an. Meist wird der Schmerzcharakter mit dumpf,
bohrend und spannend bezeichnet. In der Regel liegen die Beschwerden beiderseits
vor. Nach unseren Erfahrungen geben die betroffenen Patienten häufig an, die Kop
fschmerzen steigen von der Hinterkopfregion auf und breiten sich dann
diffus bis zu beiden Augenhöhlen aus.
In der Regel beginnen Kop
fschmerzen vom
Spannungstyp schleichend morgens und steigert sich dann im Verlauf des
Tages, meist den ganzen Tag anhaltend. Teilweise werden aber auch im
Tagesverlauf unterschiedlich lange anfallsartige Schmerzverstärkungen angegeben,
manchmal mit (milden) vegetativen Symptomen (z.B. Übelkeit) einhergehend, so daß
auch das Vorliegen von
Migränekopfschmerzen
in Frage kommt.
Bei der Untersuchung ist die Hinterkopfregion beiderseits oft druckschmerzhaft.
Teilweise ist die Kalotte
(= der knöcherne Schädel)
klopfschmerzhaft. Sehr häufig finden sich im Halswirbelsäulenbereich
Muskelverspannungen, diese können auch bis zur Schultermuskulatur reichen.
Fast alle Patienten mit
Spannungskopfschmerzen
geben an, daß Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit nachgelassen hätten.
Eine Unterteilung in "episodische
(= von Zeit zu Zeit auftretende)
Spannungskopfschmerz
en" und "chronische Cephalgie vom Spannungs
typ" erscheint nicht sinnvoll, weil damit lediglich Verlaufsvarianten
beschrieben werden, die sich selbst bei gleichen Patienten häufig abwechseln
können.
Eine Verspannung der perikranialen (= den Schädel umgebenden)
Mus kulatur, wie es dieser
Kopfschmerzbegriff vermuten läßt, ist nicht zwingend. Psychische Überlagerung,
vor allem in Form von depressiver Verstimmung und/oder psychovegetativer
Labilität ist häufig. In der Regel dominiert die pflichtbewußte und
leistungsorientierte Persönlichkeit.
Zur Differentialdiagnose von Kop
fschmerzen (=
zum Herausfinden um welche Kopfschmerzform es sich handelt)
eignen sich
Nervenblockaden
(= Nervenbetäubungen). Während einer
regelrechten Blockade der Ner
ven supraorbitales, occipitales majores und minores sowie
auriculotemporales (infiltrativ im
Schläfe
nbereich) bleiben i.d.R. Kop fschmerzen vom
Spannun
gstyp weg, nicht aber
vasomotorische
(= von Blutgefäßen ausgehende)
oder
posttraumatische
Kop
fschmerzen
(= nach
Verletzungen auftretende Kop
fschmerzen),
sofern diese auf meningeale
(= hirnhautbedingte) Störungen
zurückzuführen sind.
1.3 Trigeminoautonome Ko pfschmerzen
Paroxysmale Hemikranie
(CPH):
Diese Erkrankung wurde
erstmals 1974 beschrieben. Charakteristische Merkmale sind streng einseitig
auftretende
Kopfschmerzanfälle
hauptsächlich im orbitalen
(= die Augenhöhle betreffend),
supraorbitalen (= die
Sti
rn betreffend)
und/oder temporalen
(= die Schlä
fe betreffend)
Bereich und einer Dauer von 2 bis 45 Minuten. Die
Schmerzanfälle
treten mindestens 5 mal pro Tag auf. Als Mittel der Wahl gilt auch hier
Indometacin (z.B. Indometacin-Ratio®), alternativ soll das
Piroxicamderivat Beta-Cyclodextrin hilfreich sein.
Clusterkopfschmerz:
Synonyme (=
weitere Bezeichnungen) für diese
eigenständige, von der
M
igräne und der
Trigeminus-Neuralgie abzugrenzende
Zephalg
ie
sind:
Erythroprosopalgie,
Bi
ng-Hor ton-Kop
fschmerz,
ziliare Neuralgie
und N. pe
trosus-
Neuralg
ie.
Die Krankheitsursache ist unbekannt.
Hauptsymptom (=
vorherrschendes Krankheitszeichen)
beim Cluster-Kop
fschmerz ist der streng einseitig, in aller Regel periorbital
(= um das Auge herum)
oder frontotemporal
(=
Stirn
-/
Schläfenbereich
betreffend) in Attac
ken und vorwiegend nachts auftretende
Schmerz von
unerträglicher Intensität und einer durchschnittlichen Dauer bis zu wenigen
Stunden. Überwiegend wird der
Schmerz
charakter mit bohrend oder brennend angegeben. Typischerweise, jedoch
nicht zwingend, kommt es zu Tränenfluß und Rötung des schmerzseitigen Auges,
evtl. begleitet von Engstellung der Pupille und Verengung der Lidspalte
(partielles Horner-Syndrom) sowie Nasenträufeln als Begleiterscheinungen.
Manchmal treten bei dieser
Zephalg
ie
auch Übelkeit und Brechreiz auf, was zu Verwechslungen mit der
M
igräne
führen kann.
Im Gegensatz zu M
igränepatienten sind Patienten mit
Clusterkopfschmerzen
eher unruhig und laufen während der
Clusterattacke
umher; ihr Ruhebedürfnis ist weniger ausgeprägt als bei Migränikern.
Der einschießende Schmerzcharakter und die extreme Schmerzintensität können zur
Verwechslung mit der
Trigeminusneuralgie
Anlaß geben. Schmerzauslösende Mechanismen können vorhanden sein, so z.B.
Flimmer- und Flackerlicht, Aufenthalt in großen Höhen, Histamin und
Nitroglyzerin, öfters aber auch Alkohol (Soyka 1989). Nitroglyzerin (in
Form von Nitratpflaster) verwenden wir deshalb regelmäßig als Provokationstest,
um die Stabilität eines Behandlungserfolges einschätzen zu können.
Therapie des Clusterkopfschmerzes:
Ein statistischer Erfolgsvergleich
unterschiedlicher Therapiemaßnahmen wird durch die Tatsache erschwert, daß der
Clusterschmerz
meist schubartig verläuft, d.h. monatelange, in Ausnahmefällen sogar jahrelange
schmerzfreie Intervalle kennzeichnen diese
Cephalgie
n.
Wie bei den anderen primären
(= nicht auf eine andere Krankheit zurückzuführende)
Kop
fschmerzen ist es auch beim Clusterkop
fschmerz oftmals erforderlich, die
verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten nacheinander auszutesten, um die optimale
herauszufinden.
Therapie der akuten
Clusterattacke:
Wegen der häufig kurzzeitigen Attac
kendauer kommen meist nur solche Methoden
zur Anwendung, die innerhalb weniger Minuten wirken können. Orale
(= Tabletten, Tropfen)
und rektale (= Zäpfchen)
Verabreichung von z.B.
Ergotamin ist daher nur bei längerer Anfallsdauer sinnvoll. Die Einatmung
von reinem Sauerstoff über Maske ist eine bewährte Methode zur Kupierung
des Anfalls. Die Verabreichung über eine Nasensonde ist meist nicht ausreichend.
Diese Methode hat den Vorteil, daß entsprechende Geräte zum häuslichen Gebrauch
auf Kosten der Krankenkassen verordnet werden können.
Im Gegensatz zur akuten
Migräneattacke
spricht der akute Clusterkop
fschmerz
in der Regel auf die therapeutische
Lokalanästhesie
(= Behandlung mit
einem örtlichen
Betäubungsmittel)
an. Bewährt hat sich die Betäubung der schmerzseitigen Ner
ven supraorbitalis (ca. 1 ml),
supratrochlearis (ca. 0,5ml), jeweils am zugehörigen Austrittspunkt, und die
großzügige flächenhafte Infiltration des dominanten Schmerzareals im St
irn- /Schläfenbereich. Bei
Schmerzausstrahlungen in den
Oberkiefer muß der
Infraorbitalis-Nerv ebenfalls blockiert werden (1-2ml). Das
Lokalanästhetikum
(=
örtliches Betäubungsmittel)
der ersten Wahl ist bei uns das lang wirkende Bupivacain 0,5% (z.B.
Carbostesin®). In hartnäckigen Fällen führen wir diese Behandlung mit gutem
Erfolg konsequent 2 bis 3 mal täglich durch, auch an Wochenenden, was jedoch nur
unter stationären Bedingungen durchführbar ist. Auch wiederholte
Stellatumblockade
n (= Blockade
einer vegetative Schaltstelle im seitlichen Halsbereich)
oder Blockaden des Ganglion cervicale superior
(= vegetative Schaltstelle im
Rachenbereich), auch des
Ganglion stellatum
(= vegetative
Schaltstelle im unteren Halsbereich),
mit einem lang wirkenden örtlichen Betäubungsmittel können beim Clusterkop
fschmerz sehr hilfreich sein.
Empfohlen wird bei dieser
Zephalg
ie
auch eine nasale Instillation
(= in die Nase eingebracht)
von 1 ml 4%iges Lidocain (Xylocain®)
(= ein mittellang wirkendes örtliches Betäubungsmittel)
bei 45 Grad rekliniertem und 30-40 Grad zur betroffenen Seite rotiertem Kop
f (Pfaffenrath 1988).
Wirksam ist beim Clusterkop
fschmerz
auch
Ergotamin. Nachteilig ist, daß sich bei häufigem Gebrauch ein Ergotaminkop
fschmerz ausbilden kann. Wegen des schnellen Wirkungseintrittes kann auch
Dihydroergotamin (Hydergin®) i.m. (i.v.) gegeben werden (1-2mg), evtl.
kombiniert mit 1g Metamizol (z.B. Novalgin®).
Das
Migränemittel
Sumatriptan (Imigran®) ((aber auch Zolmitriptan (AscoTop 2,5®,)
Naratriptan (Naramig®, als Formigran® rezeptfrei),
Rizatriptan (Maxalt®), Almotriptan (Almogran®), Frovatriptan (Allegro®)
und Eletriptan (Relpax®)), ist auch beim
Bing-Horton-Kopfschmerz
(chronischer und episodischer) sehr wirksam, insbesondere zur Beschleunigung der
Resorption (=
Aufnahme in den Organismus) unter die
Haut gespritzt (6 mg) (auch mit Autoinjektor vom Patienten selbst injizierbar)
oder auch als Nasenspray (z.B. Imigran®Nasal), ansonsten 100mg oral
(= durch den
Mund). Häufiger wurde über ernstzunehmende Nebenwirkungen berichtet, auch in
den Medien. Bei Beachtung der Anwendungsbeschränkungen kann das Verhältnis von
Wirksamkeit und Verträglichkeit jedoch als günstig angesehen werden (Tfelt-Hansen
1993).
Wegen des relativ hohen Preises dürfte Sumatriptan (und andere Triptane)
allerdings erst dann zum Einsatz kommen, wenn andere Maßnahmen nicht den
gewünschten Erfolg bringen.
Cluster-
Kopfschmerzprophylaxe
(= Vor
beugung):
Als Mittel der Wahl gilt der
Calcium-Antagonist Verapamil (z.B. Isoptin®). Dosierung: bis zu 3-4x 80
mg pro Tag, in der ersten Woche einschleichend. Der Wirkungsmechanismus von
Verapamil ist bei dieser
Zephalg
ie
unbekannt.
Neue Dosierung: In hartnäckigen Fällen wird Verapamil mit gutem Erfolg sehr
viel höher dosiert: bis 500 mg/Tag (und mehr), initial
(= zu Anfang)
unter ständiger Blutdruck- und Pulskontrolle.
Als Mittel der 2. Wahl kann Lithium empfohlen werden (z.B. Hypnorex®,
Quilonum®). Lithium soll bereits unterhalb des empfohlenen Serumspiegels beim
Clusterkop
fschmerz wirksam sein.
In hartnäckigen Fällen und unter strenger Abschätzung des therapeutischen
Risikos im Verhältnis zu einem möglichen Nutzen, kann eine Kortikoid-Behandlung
versucht werden, z.B. mit Prednisolon®. Empfohlene Dosierung: 1-4. Tag 80mg, 5-
8 Tag 70mg, dann jeweils nach 4 Tagen die Dosierung um weitere 10mg reduzieren.
Der Serotonin-Antagonist Methysergid (Deseril ret.®)
(= ein Mittel, das dem
Gewebshormon Serotonin entgegenwirkt)
kann auch zur Clusterkopfschmerzprophylaxe verwendet werden.
Teilweise wird empfohlen, zur Prop
hylaxe
regelmäßig täglich
Ergotamin zu verabreichen. Wegen der
Gewöhnungsgefahr und der hohen Wahrscheinlichkeit, damit den gefürchteten
Ergotaminkopfschmerz
zu induzieren, muß davor dringend gewarnt werden.
Zur Prop hylaxe des Clusterkopfschmerzes hat sich bei uns auch die wiederholte therapeutische Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel) wie bei der Akutbehandlung sehr bewährt. Manchmal werden auch in der schmerzseitigen Hinterkopfregion Schmerzen angegeben; in diesem Fall blockieren (= betäuben) wir dann auch die Ner ven occipitales major und minor. Optimal ist diese Behandlung unter stationären Bedingungen, weil dann diese Therapie konsequent 2x täglich, auch an Wochenenden, über einen Zeitraum von 2-3 Wochen durchgeführt werden kann. Unter dieser Behandlung fallen in der Regel die Schmerzattacken zunehmend milder aus, um im Idealfalle allmählich wegzubleiben.
Nichtmedikamentöse Maßnahmen:
Anders als z.B. bei der
M
igräne spielen beim Clusterkop
fschmerz
psychische Faktoren eine eher untergeordnete Rolle, so daß diesbezüglich nur
allgemeine Maßnahmen empfohlen werden können, so z.B. ein
Schmerzbewältigungstraining. Transkutane Nervenstimulationen mittels
Niederfrequenzgenerator über Klebeelektroden (TENS) haben nur selten
einen positiven Effekt.
Der Vollständigkeit halber muß hier noch das clusterähnliche Sunct-Syndrom aufgeführt werden. Dabei kommt es zu 15 bis 120 Sekunden lang anhaltenden, einseitigen Sch merzattacken um das Auge herum, begleitet von konjunktivaler Injektion (= Sichtbarwerden feiner Blutgefäße im Auge als Folge von Blutfülle), Lakrimation (= Tränenfluß) und Nasenträufeln. Zusätzlich besteht ein gleichseitiges Gesichtschwitzen, das aber meist nur gering ausgeprägt ist. Auch kann es zu einem Lidödem (= Schwellung des Augenlides infolge einer Flüssigkeitsansammlung) kommen.
1.4 Primäre Cephalgie, die weder dem M igräne- noch dem Clusterkop fschmerz zuzuordnen ist
Unter diesem Begriff fassen wir scheinbar
eigenständige Kop
fschmerzbilder wie ver tebragene oder
zervikogene Cephalgie
(= von der Halswir
belsäule ausgehende Kop
fschmerzen)
oder auch sog. neu aufgetretene Dauerkop
fschmerzen, Ans
trengungs-Kop fschmerzen,
Okzipitalisneuralgie
(=
Nervenschmerz im
Bereich des Hinterkopfes) oder
Hemicrania continua
(= anhaltender
Halbseitenkopfschmerz)
zusammen.
Allen Formen gemeinsam ist die sehr variablen Krankheitszeichen, so daß eine
eindeutige Diagnosezuordnung in vielen, wenn nicht in den meisten Fällen,
willkürlich ist. Oftmals ist nicht einmal eine sichere Abgrenzung gegen
Migräne - oder
vasomotorische Kop fschmerzen
(= von Blutgefäßen ausgehende Kop
fschmerzen)
möglich.
Zervikogene Kop
fschmerzen
(vertebragene Kop
fschmerzen):
Der Unterschied zu Kop
fschmerzen vom Spannun gstyp dürfte nur darin bestehen,
daß mit dem Begriff "ve rtebragen"
(= wirbelsäulenbedingt)
lediglich auf eine mögliche Ursache bzw. einen Zusammenhang hingewiesen wird.
Die
Schmerz
ausstrahlung verläuft vom
Nacken aufsteigend
zur
Stirn hin, nicht
selten tritt gleichzeitig ein
Nacken-Schulter-Arm-Syndrom
auf.
Okzipitalneuralgie:
Die primäre, idiopath
ische (= als
eigenständige Erkrankung auftretende)
Okzipitalisneuralgie
ist selten. Es treten einseitig einschießende Kop fschmerzen im
Versorgungsgebiet des N. occipitalis major auf (Hinterkopf
bis Scheitelhöhe).
Die Diagnose einer
Occipitalisneuralgie
wird durch eine probatorische
(= zur Klärung der Diagnose durchgeführte)
Nervenblockade mit
z.B. 1-3 ml Mepivacain (z.B.
Scandicain®1%)
(= mittellang wirkendes örtliches Betäubungsmittel)
gesichert. Wie bei der
Trigeminusneuralgie
liegt häufiger eine atypische Form vor, gekennzeichnet durch meist einseitig
auftretende Kop
fschmerzen und längerfristige Schmerzepisoden
bis hin zu
Dauerschmerzen.
Hemicrania continua
(anhaltende
Halbseitenkopfschmerzen):
Diese Cephalgie
-Art soll stets einseitig und seitenkonstant als
Dauerkopfschmerzen
auftreten. Differentialdiagnostisch
(= um herauszufinden um welche Kop fschmerzform es sich handelt)
zu verwerten ist, daß diese Beschwerden nur auf
Indometacin (z.B. Indomet ratiopharm®) ansprechen (Sjastaad 1984).
Vermutlich handelt es sich hierbei ebenfalls um Cephalgie vom Stannungstyp,
allerdings halbseitig auftretend.
Raeder-Syndrom:
Diese
Kop
f
schmerzen
sind im Versorgungsgebiet des Nervus ophthalmicus
(= oberer Gesichtsnerv)
lokalisiert. Die Symptomatik ist den
Clusterkopfschmerzen
ähnlich.
Neck-tongue-Syndrom (Nacken-Zungen-Syndrom):
Diese Kop
f
schmerzen
treten attackenartig einseitig hinterkopfbetont auf und sind von einer
unangenehmen
Hypästhesie (= herabgesetzte Empfindlichkeit) der gleichseitigen
Zunge
nhälfte begleitet.
Die Ursache ist nicht eindeutig geklärt, es wird eine Subluxation
(= unvollständige Ausrenkung)
des Atlanto-Axial-Gelenkes
(= das untere Kopfgelenk zwischen dem 1. u. dem 2. Halswirbel, ermöglicht
Dreh
bewegungen
des Kopfes) vermutet (Bogduk
1981). Zur
Schmerztherapie eignet sich eine engmaschige Blockadeserie des
Ganglion cervicale superius
(= eine
vegetative Schaltstelle, paarig im hinteren
Rachen
bereich).
Neu aufgetretene Dauerkopfschmerzen
(engl.: new daily persistent headache):
Unter dieser Cephalgieform leiden etwa 0,2 der Bevölkerung.
Die Abgrenzung vom (chronischen)
Spannungskopfschmerz
ist schwierig und auch nicht unumstritten. Auch bei dieser Cephalgie können
milde migräneartige Begleiterscheinungen auftreten, so. z. B. Photo- und
Phonophobie (= Licht-
und Geräuschempfindlichkeit) oder
auch Übelkeit, allerdings kein (regelmäßiges) Erbrechen. Neu aufgetretene Kop
fschmerzen weisen mindestens zwei der
folgenden Eigenschaften auf:
Ursächlich ist häufig eine vorausgegangene
Infektion (=
Eindringen von Mikroorganismen, z.B. Bakterien, Viren, Pilze, Parasiten in den
Mensch, wo sie haften bleiben und sich vermehren
-n. Roche-). Schon in den ersten Beschreibungen wurde auf einen Zusammenhang mit
Virusinfekten hingewiesen (Vanast et al. 1987).
Die Kopfschmerzbehandlung
erfolgt wie bei
Spannungskopfschmerzen.
Therapie der
Zephalg ien:
Die Schwierigkeit genereller Therapieempfehlungen liegt darin, daß eine
Zephalg
ie in allen möglichen Variationen auftritt,
sowohl hinsichtlich der Intensität als auch der Periodizität
(= zeitliches Auftreten).
Die Zephalg
ie charakteristika sind nicht nur
von Patient zu Patient verschieden, sondern können sich auch im Verlauf der
Erkrankung beim selben Patienten ändern, so daß dann jeweils die aktuelle
Therapie angepaßt werden muß. Hinzu kommt, daß die verschiedensten
Behandlungsmaßnahmen sehr unterschiedlich wirken können. Was bei einem Patienten
wirksam ist, muß dem anderen noch lange nicht helfen, auch wenn scheinbar
Diagnose und Symptomatik (= Krankheitszeichen) übereinstimmen. Letztlich gilt es also, für jeden Patienten eine
optimale individuelle Therapie zu erarbeiten, was sehr zeitaufwendig sein kann.
Medikamentöse Schmerztherapie bei Cephalgie:
Die Behandlung des primären
(= nicht auf eine sonstige Krankheit zurückzuführenden)
Kopfschmerzes mit Medikamenten ist und bleibt angesichts mangelnder kausaler
(= ursächlicher)
Therapiemöglichkeiten eine Notlösung, weshalb im Hinblick auf die
Nutzen-Risiko-Relation die Arzneimittelverordnung ständig überprüft und der
aktuellen Leidenssituation des Patienten angepaßt werden muß.
Genaue Kenntnisse über Nebenwirkungen und Kontraindikationen
(= Gegenanzeigen)
sind für eine optimale Behandlung unabdingbare Voraussetzungen. Grundsätzlich
gilt, daß
Analgetika (=
Schmerzmittel)
möglichst nicht auf Dauer verabreicht werden sollen. Die Gefahr einer Gewöhnung
oder gar
Schmerzmittelabhängigkeit
wird durch Verordnung von Kombinationspräparaten noch gefördert. Besonders
gefürchtete Beimischungen sind Barbiturate, Kodein und Ergotamin.
Akuttherapie bei Cephalgie:
Für die Behandlung einer primär